Archiv des Autors: Adrian Bröking

Über Adrian Bröking

Familienvater, Lehrer und Student der Achtsamkeit

Achtsam und kreativ – ein Schulprojekt

IMG_5125Projekttage am Friedrich-Ebert-Gymnasium Berlin. Seit Jahren mache ich an dieser Schule Angebote zur Achtsamkeit – für Schülerinnen und Schüler sowie auch für Kolleginnen und Kollegen.

In diesem Jahr habe ich mir etwas Neues überlegt.Die Idee war, Meditation mit Handeln zu verbinden, ein Produkt aus einem achtsamen Geist heraus zu erstellen. Daraus wurde das Projekt „Achtsam und kreativ“.

Wir sind am ersten Tag auf das Südgelände Berlin gegangen, einen alten Rangierbahnhof, der sich nach dem Krieg in eine Wildnis verwandelt hat und vor einigen Jahren als Naturpark wach geküsst wurde.

Dort haben wir den Vormittag verbracht. Wir sind langsam über das Gelände gegangen, haben uns an verschiedenen Orten niedergelassen und ich habe in verschiedene Meditationstechniken eingeführt. Der Fokus lag vor allem im Außen, außen sehen und außen hören. Dazu Körperwahrnehmung und achtsames Atmen.

Heute, am zweiten Tag, haben wir uns dann in der Schule gesprochen, weiter mineinander praktiziert. Schließlich begann eine Phase intensiver Einzelarbeit, in der wir gemeinsam die unten stehende Webseite erstellt haben. Alle Beiträge, mit einigen wenigen Ausnahmen, die ich beigesteuert habe, sind von meinen Schülerinnen und Schülern. Am Projekt haben Jugendliche aller an der Schule vertretenen Klassen – von der 7. bis zum 2. Semester der Oberstufe – teilgenommen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Pindo

Made with Padlet

Im Morgengrauen …

… entstanden diese Bilder heute morgen an einem See westlich von Potsdam. Ich war tatsächlich bereits um 4:30 auf den Beinen und habe mich zur Wanderung um den See aufgemacht. Wunderbare Farbwechsel von Grau über Blau bis zur aufstrahlenden Morgensonne waren die Belohnung. Ein Biber, der vor mir im Wasser eine Stunde dreht und dann mit einem peitschenden Schlag seines Schwanzes untertaucht. Die Stimmen unzähliger Vögel, ruhige Reiher, die auf ein Frühstück aus sind. Welch ein Fest der brandenburgischen Natur. Und ich mitten drin.

Pindo

 

 

 

Mystik am Fenstersims in Erfurt

Ein Tag im wunderschönen Erfurt brachte mich unverhofft auf die Spuren des großen mittelalterlichen Mystikers Meister Eckhart. Ein Haus nahe der Barfüßerkirche zeigt Fenstersimse mit gedanklicher Tiefe.

Pindo

Dusch mich, aber mach mich nicht nass

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Beelitzer Land im Vorfrühling 2018

Mein Blogeintrag zur emotionalen Grundhaltung an Schulen stößt bei vielen Leserinnen und Lesern auf Resonanz. Herzlichen Dank für die vielen Kommentare.

Besonders berührt hat mich der nachfolgend zitierte Text einer Lehrerin, die an ihrer Schule gerne unerkannt bleiben möchte:

Danke für diesen tollen Text!! Mir sind wirklich die ganze Zeit während des Lesens die Tränen geflossen, weil ich mit genau diesem „Grundgefühl“ seit Monaten durch die Schule gehe. Ich finde es gerade sehr schwierig, auszuhalten, von vielen Kolleginnen immer noch angeschaut zu werden, als hätte man etwas Unanständiges gesagt, sobald man das Wort „Achtsamkeit“ in den Mund nimmt. Bezeichnenderweise sind das oft genau die Kolleginnen, die sich bei mir (als Beratungslehrerin) darüber beklagen, dass sie nachts so schlecht schlafen und ab vier Uhr morgens wach liegen, weil die Gedanken rasen und ihr Default Mode Network auf Hochtouren läuft…

Einigen Kollegen geht es wirklich schlecht, aber ich habe das Gefühl, es ist oft immer dasselbe, so nach dem Motto: Dusch mich, aber mach mich nicht nass… Irgendwie hat Achtsamkeit immer noch ein riesiges PR-Problem…

Ich finde den Text so bemerkenswert, weil er aus der Negativsicht heraus nochmals sehr gut deutlich macht, welche Chance Achtsamkeit für eine Schule eröffnet: Wenn ein kleiner Kreis von Kolleginnen und Kollegen beginnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen, dann entsteht ein Raum, der von Vertrauen geprägt ist. Und wo Vertrauen ist, da traue ich mich, auch als Lehrer zu zeigen, dass ich verletzlich bin. Ich vertraue anderen an, dass ich tatsächlich Schwierigkeiten habe, unter diesen MEGA-bescheidenen Rahmenbedingungen (alles ist ja MEGA heute…) erfolgreich und erfüllt zu arbeiten. Und das schafft Erleichterung.

Noch eine Anmerkung zu der immer wieder gehörten Behauptung, wir Meditationsfreaks würden mit Achtsamkeit das System stabilisieren, indem wir uns selbst noch widerstandsfähiger und dadurch leistungsstärker machen wollen oder indem wir Passivität an den Tag legen:

Achtsamkeit besteht, wie der mich sehr inspirierende Shinzen Young in seinem System Unified Mindfulness lehrt, aus drei zusammen wirkenden Fertigkeiten:
Konzentration, Klarheit und Gelassenheit. Dabei wird der Aspekt der Gelassenheit sehr oft missverstanden, weswegen meditierende Menschen sich immer wieder dem Vorwurf ausgesetzt sehen, sie gerieten durch ihre Praxis in eine apathische Grundhaltung, die notwendige Veränderungen verhindere.

Dies ist falsch.

Gelassenheit in der Meditation übe ich nie gegenüber den sozialen Bedingungen in meiner Umwelt, sondern immer nur gegenüber meiner WAHRNEHMUNG derselben. Ich bin also mit mir selbst gelassen – und dies auch in schwierigen Momenten, gelassen mit meiner Unzulänglichkeit, meiner Unfähigkeit, mich zu konzentrieren, meinem Ärger, meiner Traurigkeit, meiner Müdigkeit, meiner Unlust, den nächsten Korrekturberg bis morgen noch abzutragen, gelassen gegenüber dem schlechten Gewissen, dass ich damit meine Schüler enttäusche, denen ich eigentlich versprochen hatte, dass sie morgen ihre Arbeit zurück bekommen, …

Indem ich gelassen bin mit all diesen starken, belastenden Emotionen, löse ich mich aus der Umklammerung meines inneren Kritikers und sorge so für mich selbst. Und ich eröffne Räume für andere, denen es eben so geht, Kolleginnen und Kollegen, Schülerinnen und Schülern, Eltern und ich lebe vor, dass es auch ihnen erlaubt ist, dies ebenfalls zu tun.

Vielleicht erreichen wir ja so irgendwann eine kritische Masse und stellen plötzlich erstaunt fest, dass wir mit unserem individuellen Verhalten gemeinsam unsere Umwelt verändert haben…

Eine Utopie? Mag sein. Aber mal im Ernst: Glaubt tatsächlich jemand , dass man in unserer von höchstem Druck auf allen Ebenen geprägten Welt des 21. Jahrhunderts nachhaltig etwas erreichen kann, indem man … Druck ausübt?

Also originell klingt anders.

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Beelitzer Land im Vorfrühling 2018

Pindo