Archiv der Kategorie: Achtsamkeitskurse

Blick eines Schülers auf den Schweinehund

Einer meiner Schüler berichtete kürzlich in der Mind the Music – AG von  seinem achtsamen Umgang mit dem inneren Schweinehund. Ich war so beeindruckt, dass ich ihn bat, seine Gedanken zu verschriftlichen. Hier ist das Resultat:

Für mich war es früher immer sehr schwer meinen inneren „Schweinehund“ zu überwinden. Ich will damit nicht sagen, dass ich nur faul rumgelegen habe, aber ich habe z.B. meine Pflichten immer sehr unmotiviert und schlecht gelaunt erledigt. So ging mir das manchmal sogar bei Hobbies, obwohl mir die ja eigentlich Spaß machen müssten.

Als Sie uns dann Achtsamkeit gezeigt haben, war ich erstmal ganz normal interessiert und habe  geguckt, ob das wirklich was für mich ist. Anfangs ging ich noch gar nicht davon aus. Nach den ersten positiven Erfahrungen kam ich in die AG, das war dann auch für mich die schwerste Zeit, da der Kritiker in mir immer wieder aufhören wollte. Irgendwann hatte ich dann eine richtig intensive Erfahrung und da habe ich gemerkt, dass ich danach viel klarer denken konnte und viel fokussierter war. Das half mir dann auch, meinen „Schweinehund“ zu überwinden: Ich habe ihn einfach immer wieder angeguckt, so, wie Sie uns das beigebracht haben und ich habe geguckt, ob da noch andere Gefühle sind.

So ähnlich mache ich das jetzt immer, wenn ich den Fokus verliere oder wenn ich schlecht gelaunt bin. Jetzt fällt mir das auch schon viel leichter als früher, und ich kann spontan aufkommende Gefühle, wie Wut und Ärger besser unter Kontrolle bringen. Früher war mir das nie gelungen, wenn ein Wutausbruch etwas heftiger wurde. Für diese Sachen benutze ich Achtsamkeit heute eigentlich immer und ich habe dadurch eine ganz neue Lebensqualität erlangt.

M.H.

Neurowissenschaft, Achtsamkeit und ein Auftrag

Die Erforschung von Achtsamkeit mit den Methoden westlicher Wissenschaft hat in den vergangenen Jahren beeindruckende Ergebnisse hervor gebracht. Inzwischen liegen gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse über den enorm positiven Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit des Menschen vor.

Regelrecht spektakulär sind die Ergebnisse des Resource-Projekts, dem weltweit größten Forschungsprojekt zur Meditation,  das Tania Singer in den vergangenen Jahren am Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig auf den Weg gebracht hat. Singers Forschungsteam zeigt, dass meditierende Menschen ihr Gehirn so umbauen, dass sie empathiefähiger werden.

Die Konsequenz: Egoistisches Denken, das die Menschheitsgeschichte seit Jahrtausenden dominiert und in unserem Zeitalter des globalisierten Kapitalismus mächtiger denn je erscheint, ist also prinzipiell überwindbar. Tania Singer ist davon so überzeugt, dass sie gemeinsam mit anderen Persönlichkeiten einen regelrechten Feldzug gegen die vorherrschende These, der Mensch sei zuallererst ein Homo Oeconomicus, führt und dabei selbst auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos Gehör findet. Für mich ist dies eine der wenigen Nachrichten, die mich derzeit mit ein wenig Hoffnung bezüglich der Zukunft unserer Spezies erfüllt.

Heruntergebrochen auf den Mikrokosmos der Schule leite ich aus den Erkenntnissen eine klare Legitimation, wenn nicht einen Handlungsauftrag für unsere Achtsamkeitsarbeit ab:

Wenn wir Schülerinnen und Schüler in achtsamer Wahrnehmung trainieren, dann helfen wir ihnen, sich selbst und den anderen mit mehr Empathie zu begegnen. Damit legen wir letztlich die Grundlage für eine bessere Zukunft.

Wissenschaftlich erwiesen – PUNKT

Wie kann aber eine nachhaltige Verankerung von Achtsamkeitsgedanken in ener öffentlichen Schule aussehen? Damit beschäftigt sich ein anderer Blogeintrag.

Pindo

 

 

Der Pfad der Achtsamkeit

Der Pfad

Wenn irgendjemand dich fragt, worum es bei dem Pfad geht,
Es geht um Großzügigkeit.
Es geht um Moral.
Es geht um Konzentration.
Es geht um Einsichten durch
fokussierte Selbstbeobachtung.
Es geht um das Kultivieren subjektiver Zustände
von Mitgefühl und Liebe, auf der Basis von Einsicht,
Und es geht um die Übertragung des Mitgefühls
und der Liebe auf Handlungen in der realen Welt.

Shinzen Young

Shinzen Young ist ein renommierter amerikanischer Lehrer für Vipassana-Meditation. Er ist Autor des faszinierenden Meditationssystems Basic Mindfulness, das auch in deutscher Sprache vorliegt. Basic Mindfulness bildet die theoretische Grundlage für die Achtsamkeitstrainings Mind the Music und Modern Mindfulness, die ich mit meinen Schülern einsetze.
Exzellente Einführungen in die gerade für westliche Menschen sehr gut zugängliche Basic Mindfulness gibt z.B. die Achtsamkeitstrainerin Sabine Heggemann aus Lüneburg. Sie bietet Kurse vor Ort oder auch über Telefon. Gerade letztere sind eine zwar ungewohnte, aber sehr spannende Erfahrung. Der nächste Kurs beginnt übrigens in wenigen Tagen. Interessierte finden hier nähere Informationen.

Pindo

Sich konzentrieren ist wie … Tubaspielen!

„Was tue ich, wenn ich lernen möchte, die Tuba zu spielen?“

Mit dieser Frage leitete Soryu Forall auf einem Retreat vergangene Woche in Lüneburg-Heiligenthal eine Reflexion ein, die mich immer noch elektrisiert. Die Antwort ist einfach: „Ich spiele die Tuba!“ Die sich anschließende Frage lautet: „Und was muss ich tun, wenn ich lernen möchte, mich zu konzentrieren? – Na klar, ich konzentriere mich!!

Verblüfft Sie die Analogie? Mich inzwischen nicht mehr. Ich habe in den vergangenen Monaten erfahren, dass Konzentration tatsächlich nicht etwa eine FÄHIGKEIT ist, die einige Menschen aus mysteriösen Gründen mehr haben als andere.  Es handelt sich vielmehr um eine FERTIGKEIT, die man relativ einfach erlernen kann, indem man sie immer wieder aufs Neue trainiert.

Den Weg hierzu kann etwa Modern Mindfulness weisen, ein Training zur achtsamen Wahrnehmung für Jugendliche , das auf Shinzen Youngs Ansatz der Basic Mindfulness basiert.

Shinzen Young erklärt achtsames Wahrnehmen als das Zusammenwirken der drei Faktoren Konzentration, Klarheit und Gelassenheit.

Unter Konzentrations-Kraft können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, das zu fokussieren, was Sie zu einer bestimmten Zeit für relevant halten. Unter Sinnes-Klarheit können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, den Überblick über das zu behalten, was Sie im jeweiligen Moment erfahren. Unter Gelassenheit können Sie sich die Fähigkeit vorstellen, den Sinnes-Erfahrungen zu erlauben zu kommen und gehen, ohne sie abzulehnen oder zu unterdrücken. (Shinzen Young, 5 Wege sich selbst besser kennen zu lernen, S. 9, Übersetzung: Sabine Heggemann)

Das Trainieren der Konzentrationskraft ist vom Prinzip her sehr einfach: Ich wähle einen oder mehrere Bereiche meines Wahrnehmungsapparats (Sehen-Hören-Fühlen),  richte ihn/ sie auf ein Objekt oder ein Ereignis innerhalb oder außerhalb von mir und halte die gewählte  Wahrnehmung so gelassen wie möglich aufrecht.

Mögliche Objekte der Wahrnehmung sind all die Dinge, die wir außerhalb von uns sehen, hören und fühlen, unsere Körperwahrnehmungen sowie unsere Gedanken (in Form innerer Bilder und Stimmen) und Emotionen.

Stelle ich schließlich fest, dass meine Gedanken begonnen haben, in die Vergangenheit oder Zukunft zu wandern,  was in der Regel sehr schnell passiert, nehme ich dies ruhig zur Kenntnis und kehre gelassen zum Objekt der Betrachtung zurück.

Dies ist der Kern des Konzentrierens als Lernvorgang: Ich fokussiere, werde abgelenkt, nehme dies wahr und kehre gelassen zum Fokus zurück, werde wieder abgelenkt, nehme wahr, kehre zurück, zehnmal, hundertmal, tausendmal, …

Soryu erwähnt in seiner Reflexion zwei weitere wichtige Punkte:

  1.  Konzentration als Fertigkeit nimmt auf exponentielle Weise zu. So hat man zunächst kaum den Eindruck, dass sich etwas ändert, mit der Zeit intensiviert sich die Konzentrationskraft dann aber in immer kürzerer Zeit immer mehr.
  2. Das Konzentrieren im beschriebenen Sinne erzeugt eine positive Feedbackschleife, die beim Übenden ein intensives Wohlgefühl auslöst. Konzentrierte Menschen sind also glücklicher.

Überlegen Sie bitte für einen Moment, wie oft Sie in Ihrem Leben  als Eltern, Töchter, Söhne, Lehrer/innen oder Schüler/innen schon folgenden Satz gehört oder selbst gesagt haben: „Mensch, jetzt konzentrier dich doch mal!“ – meist begleitet von einer ziemlich ausgeprägten Ungeduld.

ABER: Hat Ihnen jemals ein Menschen gezeigt, wie das geht – oder haben Sie dies getan?

Eingangs schrieb ich, dass mich Soryus Frage zum Tubaspielen elektrisiert hat. Warum? Für mich ist die Erkenntnis zum „Konzentrieren lernen“ vielleicht die wichtigste in meinem Lehrerdasein. Seitdem ich mit meinen Schülerinnen und Schülern und inzwischen auch einigen Kolleginnen und Kollegen Achtsamkeit übe, erfahren wir alle Tag für Tag, wie gut dies tut, uns und unserer Umwelt.

Achtsamkeit enthüllt hier ihre wahrlich transformierende Kraft.

Pindo.

Achtsamer Stundenbeginn

Achtsam eine Unterrichtsstunde beginnen? Bei mir funktioniert es in zwei kleineren Lerngruppen der Mittelstufe inzwischen so gut, dass die 14-jährigen Schüler mich selbst daran erinnern, wenn ich es einmal vergesse.

Das Ritual besteht aus einer fünfminütigen Achtsamkeitsübung, bei der mich eine Klangschalen-App auf meinem Smartphone untestützt. Die Klangschale leitet die Übung ein, markiert die Halbzeit nach zweieinhalb Minuten und signalisiert mit einem dreifachen Klang das Ende.

Wir setzen uns gerade hin, schließen die Augen oder lassen den Blick ins Leere gleiten. Dann nehmen wir drei tiefe Atemzüge, wobei wir bei jedem Einatmen bewusst die Wirbelsäule aufrichten und bei jedem Ausatmen den Körper zur Ruhe kommen lassen.

Anschließend lassen wir die Kontrolle des Atems los, suchen uns einen Ort im Körper, an dem wir ihn weiterhin besonders gut wahrnehmen (Wölbung von Brustkorb oder Bauchdecke, Lufthauch an der Nase) und gehen dazu über, den Atem nur noch zu beobachten.

Weiterhin senden wir mit unserem Geist dem Körper Signale. Jedes Einatmen ist ein Aufrichten, jedes Ausatmen ein Entspannen. Dies können die Schüler verstärken, indem sie mit ihrer inneren Stimme beim Atmen Botschaften formulieren: „Aufrichten … Entspannen..“.

Ich weise die Gruppe darauf hin, dass es völlig normal ist, wenn ihre Gedanken sich nach kurzer Zeit woanders hin begeben. Ich bitte sie, kurz festzustellen, wohin sie sich begeben haben und dabei möglichst gelassen und ohne zu werten vorzugehen. Dann holen sie ihren Geist zum augenblicklichen Fokus, dem Atmen und Entspannen zurück.

Nach etwa der Hälfte der Zeit bitte ich die Schüler, nun ihren Fokus zu ändern. Wir lassen das Entspannen in den Hintergrund treten und konzentrieren uns aufs Hören, verschmelzen mit unserem Hörsinn. Sie hören meine Stimme, Geräusche der Bewegungen von Mitschülern, das Scharren der Tische und Stühle im Raum über uns, Gespräche auf dem Gang, den Lieferwagen des Catering-Unternehmens auf dem Schulhof, Vogelzwitschern … und vermeiden dabei jede Wertung: „Da ist das Geräusch X … wir sitzen hier und hören …“

Nochmals bitte ich sie darum, ihre Gedanken gelassen zurückzuholen, wenn sie sich auf Wanderschaft begeben. Zum Ende gehe ich nochmals kurz zum Fokus Entspannen zurück und lasse die Klangschale die Übung beenden.

Die Wirkung dieser Übung beeindruckt mich immer wieder. Vorgestern,  an einem Freitag in der 7. Stunde (!) begann ich meinen Unterricht wieder auf diese Weise. Aus einer wuseligen, unkonzentrierten Teenie-Schar in verquatschter Vorwochenendstimmung wurde in den fünf Minuten eine deutlich entspanntere Gruppe, die die Ruhe im Raum sichtlich genoss und nun dazu bereit war, noch eine gute halbe Stunde konzentriert meinem Input zu Präpositionen und Ortsangaben im Spanischen zu folgen.

Für mich sind dies magische Momente im Beruf.

Übrigens basiert die Übung auf Inhalten von Modern Mindfulness, einem online-gestützten Programm, das Lehrkräften die Möglichkeit gibt, Achtsamkeitsimpulse auf einfache Weise in den Schulalltag einfließen zu lassen. Entwickelt wurde es am Center for Mindful Learning (Vermont / USA). Der Autor ist Soryu Forall, der „Erfinder“ von Mind the Music .

Derzeit existiert Modern Mindfulness nur in englischer Sprache. Eine deutsche Version ist geplant.

Pindo

Mind the Music – worum geht es?

Mind the Music bietet einen  Weg zur Achtsamkeit, der vier Aspekte schult, die im Leben der Jugendlichen eine zentrale Rolle spielen (sollten):

  • das Vermögen, sich zu entspannen,
  • die Fähigkeit zu fokussieren, festgemacht am achtsamen Zuhören
  • die Bereitschaft, eigene Gefühle kennen zu lernen und anzunehmen,
  • die Möglichkeit, sich echte Ziele zu setzen und sich auf den Weg zu machen, sie zu erreichen.

Musik hat in der Methode eine zentrale Bedeutung inne. Sie schlägt die Brücke zu den Jugendlichen, die schon viele Erfahrungen im Umgang mit Musik als Entspannungsinstrument mitbringen und so Vertrauen schöpfen. Und sie bietet in einer Gruppe von 35 DreizehnJährigen die notwendige Sicherheit, sich auf Achtsamkeit einzulassen. Denn: in Stille mit geschlossenen Augen beieinander zu sitzen und zu meditieren, ist kein besonders cooler Gedanke. Wenn die Schüler aber dasselbe machen sollen und dabei ein Lied ihrer Wahl hören dürfen, dann sind sie mit Begeisterung bei der Sache und zeigen große Offenheit, neue Erfahrungen zu machen und auch über diese zu sprechen.

Soryu Forall und Jugendliche aus seinen Kursen in Burlington / Vermont stellen die Grundelemente von Mind the Music in vier Videos eindrucksvoll dar. Das erste gebe ich unten wieder.

Soryu Forall und Mind the Music – Wege zur Achtsamkeit in meiner Schule

Vor Monaten hatte ich über meinen Wunsch geschrieben, Achtsamkeit auch Jugendlichen nahe bringen zu können. Damals war ich auf die Arbeit von Soryu Forall und Shinzen Young gestoßen. (Siehe hierzu diesen Beitrag.) Im Juni 2012 hatte ich die Möglichkeit, Soryu Forall an vier intensiven Tagen des Zusammenseins in Lüneburg kennen zu lernen. Er war für längere Zeit in Asien gewesen und kehrte nun über Deutschland nach Vermont zurück. In Lüneburg besuchte Soryu das von Sabine Heggemann geleitete Achtsamkeitsprojekt an der örtlichen Sekundarschule und hielt einen Vortrag an der Universität Leuphana.

Soryu Forall, heute Mitte 30, geboren als Teal Scott in Vermont / USA. verließ mit 19 Jahren seine Heimat, um, wie er selbst schreibt, seinen persönlichen Beitrag zur Beendigung des Leidens in der Welt zu leisten. Er ging nach Japan in ein Zen-Kloster und wurde dort zum buddhistischen Mönch geweiht. Später lebte und arbeitete er zunächst in Südindien, wo er mit Kindern aus Familien der untersten Kasten arbeitete und sich für deren Rechte einsetzte. Anschließend praktizierte er an einem tibetischen Kloster in Nordindien und schließlich in Ostchina. Zurück in den Vereinigten Staaten konzentrierte er sich auf die achtsame Arbeit mit Jugendlichen und entwickelte schließlich das Programm Mind the Music.

Der Titel Mind the Music beschreibt die Essenz des Ansatzes: Soryu überwindet die Hemmungen junger Menschen, sich einem Beieinandersitzen in Stille zu öffnen, indem er sie dazu einlädt, gemeinsam mit ihm ihre Musik zu hören, die Musik, die ihnen immer schon hilft, ihren persönlichen Alltag zu genießen und zu verkraften. Sie gewinnen so Vertrauen und lassen sich auf neue Erfahrungen ein, Erfahrungen der Entspannung, Erfahrungen der Konzentration, Erfahrungen des Lauschens auf die eigenen Gefühle, Erfahrungen, wie ich das eigene Leben in Angriff nehmen kann.

Die Begegnung mit Soryu hat mein Leben verändert, wie die Achtsamkeit insgesamt, ganz sanft, unspektakulär, nachhaltig. Seit August 2012 vermittle ich Jugendlichen an meiner Schule Achtsamkeit mit der Hilfe von Mind the Music. Und die Dinge nehmen ihren Lauf.

Am Anfang stand ein Intensivtraining, das ich mit Erlaubnis der Schulleitung und der Eltern in meiner eigenen Klasse, einer Gruppe von 35 wirbeligen Jugendlichen im Alter von 13 und 14 Jahren, absolvierte. Es stieß bei praktisch allen Teilnehmern auf großes Interesse und brachte eine ganz neue Qualität in unsere Beziehung zueinander. Problematisch war nur, dass die Einheiten in meinem eigenen Fachunterricht stattfanden und ich die Intensität der Übungen nicht über das ganze Schuljahr aufrecht erhalten konnte. Daher wechselte ich meine Strategie und machte im Rahmen unserer Projekttage zum Schuljahresende ein neues, freiwilliges Angebot für Schüler aller Klassenstufen, Mind the Music an drei Tagen kennen zu lernen. Rund 20 Schüler ließen sich darauf ein und reagierten ausgesprochen positiv.  Seit Beginn des neuen Schuljahres im August 2013 leite ich nun eine eigene Mind the Music-AG. Nach drei Sitzungen hat sich ein fester Teilnehmerkreis von 8 Schülern etabliert. Bisher sind jedesmal auch mehr, neugierige Freundinnen und Freunde dazu gekommen.

Jedoch ist dies noch nicht alles. Ich koordiniere die Steuergruppe an unserer Schule, in der sich Eltern, Schüler und Lehrer gemeinsam mit der pädagogischen Fortentwicklung der Schule beschäftigen. Als das Thema der Entwicklung eines neuen Leitbildes aufkam, schlugen die Eltern vor, den Begriff der Achtsamkeit künftig zu einer der Leitideen unseres Zusammenlebens zu erheben. Der Vorsitzende der Gesamtelternvertretung, Chefarzt an einer psychiatrischen Klinik und Vater einer Tochter in meiner Pilotklasse aus dem vergangenen Schuljahr, berichtete von ausgesprochen positiven Erfahrungen mit Achtsamkeit in seinem eigenen Krankenhaus und regte an, die Schulgemeinschaft für dieses Thema zu sensibilisieren.  Ermutigt hatten ihn dazu offensichtlich die positiven Schilderungen seiner Tochter, die im vorherigen Schuljahr in meiner Pilotklasse war und sehr positiv von Mind the Music erzählt hatte.

Ich war sprachlos, gerührt, begeistert zugleich. Allerdings erfüllte mich auch großer Respekt davor, diese Idee in die Mitte unserer großen, sehr heterogenen Schulgemeinschaft zu tragen. Vergangenen Donnerstag habe ich dazu nun den ersten Schritt unternommen. Während eines Studientages, auf dem sich das Lehrerkollegium mit der Weiterentwicklung unserer Schule beschäftigte, leitete ich die AG zur Leitbild-Entwicklung. In drei Stunden gelang es unserer Gruppe einen Konsens über ein künftiges Leitbild zu entwickeln, das aus dem Dreiklang GEMEINSAM – TRANSPARENT – ACHTSAM besteht. Nur wenigen war der Begriff der Achtsamkeit im engeren Sinne schon geläufig. Es herrschten auch einige Zweifel, ob eine Schule es sich leisten könne, sich mit einem solch ungewöhnlichen Begriff nach außen hin zu positionieren. Schließlich siegte bei allen jedoch die Hoffnung auf Entschleunigung im Alltag, die sie sich nach meinen einführenden Schilderungen von Achtsamkeit offensichtlich versprachen.

Wir sind also auf dem Weg. Unglaublich.