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Minneapolis 2020 – neue Aktualität für alte Zeilen

Nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd in Minneapolis erinnere ich mich an einen Blogeintrag von 2014.

George Floyd hieß damals Michael Brown. Er lebte in Ferguson / Missouri, nicht in Minneapolis. Ansonsten ist vieles vertraut. So vertraut, dass ich mir erlaube, die eindrücklichen Zeilen von Denise Casey, die damals entstanden, heute nochmals zu teilen.

Ab hier folgt mein Blogeintrag vom 28.1.2014: Wir müssen ehrlich mit uns selbst sein.

Pindo


In den USA brennen wieder Barrikaden, wütende Demonstranten liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Hintergrund ist die  Entscheidung von Geschworenen in Ferguson, keine Anklage gegen einen weißen Polizisten zu erheben,  der einen schwarzen Teenager erschossen hatte.

Am Tag der Entscheidung fand ich auf Facebook einen Text, der mich sehr berührt hat. Er bringt die Trauer und Hilflosigkeit einer Amerikanerin aus einer achtsamen Perspektive zum Ausdruck.

Die Verfasserin ist Denise Casey, Direktorin von Modern Mindfulness, dem Achtsamkeitsprogramm für Schulen, das ich mit meinen Schülern einsetze. Denise hat mir freundlicherweise die Erlaubnis gegeben, den Text ins Deutsche zu übertragen. Ich hoffe, ich werde dem Original einigermaßen gerecht.

Ab hier schreibt Denise in meinen deutschen Worten. Das Original findet sich darunter.

Bitte schau klar auf deine Gedanken zu dem, was in Ferguson passiert ist. Schau klar auf deine Gedanken und spontanen Reaktionen.
Sagen sie: „Da haben wir es wieder mal“, „Diese Leute“, „So was würde ich nie tun. Niemand, den ich kenne, würde je so etwas tun“?
Dies ist nicht der Moment für selbstgerechte Anmaßungen. Es ist keine Schande, wenn wir solche Urteile fällen, aber WIR MÜSSEN EHRLICH ZU UNS SELBST SEIN. Wenn wir beginnen, klar zu sehen, dann können wir Schritte in Richtung Frieden gehen.

Ich wollte dieses Gedicht seit Jahren schreiben.
Ich komme aus einem Ort, wo Autoaufkleber die radikale Antwort auf Völkermord sind
wo Rassismus Schultern zucken lässt, als wäre er das unvermeidliche Ergebnis unserer Existenz
wo Verletzlichkeit eine Seuche ist
und wir eine Geschichte der Vorherrschaft eher einsperren, einimpfen, indoktrinieren, als einen Schritt in ihren müden, schwachen Fußstapfen zu gehen
schon flehen meine Füße die Erde an, mich an ihre Haut zu erinnern
mich daran zu erinnern dass Worte wie diese nicht konstruiert, sondern geatmet werden
dass man nicht auf sie schießt, sondern sie betrauert
man sie nicht ausspricht, sondern lebt
schon zittert mein Herzschlag
die stillen Hohlräume eines Gesprächs, das jeden Raum leer fegt
worüber nie gesprochen wird beim Abendbrot, am Frühstückstisch oder irgendeinem Tisch auf dem Essen steht mit weißem Leinen und Gläsern
streich den irgendeinen Tisch auf dem Essen steht
nein .. es fegt jeden Raum leer.
also, wer wird Ausdruck verleihen
diesen Gedanken
die Verhalten werden die Körper werden die tote Körper werden
die Verhalten werden die Körper werden die tote Körper werden
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie erzeugen Moder und Schimmel und greifen die Lungen gesunder atmender Menschen an, die an sicheren Orten leben,
die Türen schließen und auf schwarze Gesichter zeigen
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie stapeln sich wie ungewollte Worte in Gräben, von denen wir schworen, dass wir sie nie mehr zulassen würden
Gedanken verschwinden nicht in Schatten
sie blähen sich auf wie Galle in unseren Eingeweiden
wuchern sich ihren Weg durch eine Generation des Schweigens
und ja, Plantagen mögen die Veranda meines Großvaters sein
aber heute gehe ich langsam durch die dunklen Schatten eines Friedhofs
weil Angst den Schaukelstuhl meiner Selbstgefälligkeit nicht mehr in Bewegung hält
und die kalten, harten Muskeln des sterbenden Körpers meines Großvaters
füttern mich mit dem Mut
zu sagen
dass Hass in meinem Körper lebt
und mich umbringt.

===

Please see clearly your reflections to what happened in Ferguson. See clearly your thoughts and instant reactions. Do they say, „here we go again,“ „Those people,“ „I would never do that. No one I know would ever do that.“ This is not the time for self-righteous claims. There is no shame in our judgements, but WE MUST BE HONEST WITH OURSELVES. When we begin to see clearly, then we can take steps towards peace.
i have wanted to write this poem for years.
i come from a place where bumper stickers are the radical response to genocide
where shoulders shrug at racism like it is the inevitable outcome of our existence
where vulnerability is a plague
and we would rather incarcerate, inoculate and indoctrinate a story of supremacy than walk a footstep in her tired, weak soles
already my feet are begging for the earth to remind me of her skin
to remind me that words like these are not constructed but breathed
are not shot at, but mourned
are not spoken, but lived
already my heartbeat trembles
the silent hollows of a conversation that always clears the room,
that’s never spoken about at the dinner table, the breakfast table or any table that serves food with white linens and glasses
scratch that any table that serves food
no…it always clears the room.
so who will give voice
to these thoughts
that become behaviors that become bodies that become dead bodies
that become behaviors that become bodies that become dead bodies.
thoughts do not disappear in shadows
they grow mold and fungus and attack the lungs of healthy breathers that live in safe places,
that lock doors and point to dark faces
thoughts do not disappear in shadows
they pile themselves like unwanted words in ditches we swore we would never let happen again.
thoughts do not disappear in shadows
they line themselves like bile in our gut
cancering their way through a generation of silence
and yes, plantations may be my grandfather’s front porch
but tonight i walk slowly through the dark shadows of a cemetery
because fear will no longer move the rocking chair of my complacency
and the cold, hard muscles of my grandfather’s dying body
feed me the courage
to say
that hatred lives in my body
and it’s killing me.

Fragen unter Friedhofsbäumen

Auf dem Friedhof Alt-Schöneberg erheben sich die pompösen Mausoleen der Millionenbauern von Schöneberg: Landwirte, die es mit der Bodenspekulation zu Beginn des 20, Jahrhunderts in Berlin zu Reichtum brachten und diesen über ihren Tod hinaus selbstbewusst demonstrieren.

In diesen Tagen wird der Besucher des Friedhofs jedoch Zeuge einer viel größeren Macht, die die Grabkapellen buchstäblich in ihren Schatten stellt.

Die Fotos inspirieren mich zur Lektüre eines alten Blogeintrags von 2014. Er zitiert Rainer Maria Rilke, der Wahres über die Notwendigkeit von Geduld, Reifen und Entwicklung offenbart:

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles ist austragen – und
dann gebären…
Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.
Er kommt doch!
Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…
Man muss Geduld haben
Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.
Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

RMR

Habt Geduld mit dem Ungelösten!
Habt die Fragen selber lieb!
Lebt die Fragen!

Spirituelle Wahrheiten für eine Zeit, in der keiner die Antwort weiß.

Aber dafür muss man leise sein.

Psst! All ihr meinungsstarken Durcheinanderschreier, ihr Lockdown-Verteufler und ihr Untergangspropheten.

Still. Hört ihr? Die Mauersegler sind zurück!

Pindo

Auf der Fähre nach Brooklyn

Eine meiner Quellen der Inspiration im Netz ist Maria Popovas liebevoll gestaltete Webseite Brainpickings. Als Newsletter abonniert, bietet sie wunderbar aufbereitete Gedanken und Einsichten für Menschen wie mich, auf ihrem Weg.

Heute lese ich dort zum ersten Mal Walt Whitmans Gedicht Crossing on Brooklyn Ferry, eine Meditation über das Verbundensein in der Menschheit, jenseits aller Zersplitterung in Zeit und Raum.

Es hat mich so in seinen Bann gezogen, dass ich mich an eine Übertragung wage.

Ich erhebe keinen Anspruch auf Perfektion mit diesem Text. Es ist Teil meiner Praxis, ein Eintauchen in Bilder und Gedanken, das mich in Kontakt bringt mit mir, Ruhe erzeugt und auch Glück, wenn ich eigene Worte finde und Resonanz spüre.

Vielleicht findet es ja Gefallen. Das Original finden Sie bei Brainpickings.

Pindo

Walt Whitman

Auf der Fähre nach Brooklyn

von Walt Whitman

Flut unter mir! Ich sehe dich, Auge in Auge
Wolken des Westens – Sonne, dort, eine halbe Stunde hoch – Auch Dich Auge in Auge.
Mengen von Männern und Frauen gekleidet wie immer, wie seltsam ihr mir scheint. 
Auf den Fährschiffen, aberhunderte, die übersetzen, auf dem Heimweg, sie kommen mir seltsamer vor als du glaubst
Und du, der übersetzen wird von Ufer zu Ufer, Jahre voraus, bist mehr für mich, und mehr in meinem Nachsinnen, als du glaubst.
Meine nicht greifbare Nahrung aus allen Dingen zu allen Stunden des Tags, 
Das einfache, kompakte, gut gegliederte Ganze, ich selbst aufgelöst, jeder einzelne aufgelöst und doch Teil eines Ganzen
Die Ähnlichkeiten zur Vergangenheit und jene zur Zukunft
Andere werden die Tore der Fähre durchschreiten und übersetzen von Ufer zu Ufer
Andere werden betrachten das Steigen der Flut
Andere werden sehen den Schiffsverkehr Manhattans im Norden und Westen, und die Anhöhen Brooklyns gen Süden und Osten
Andere werden sehen die Inseln, große und kleine
50 Jahre voraus, werden andere sie sehen, beim Übersetzen,
die Sonne eine halbe Stunde hoch
Hundert Jahre voraus, viele hundert Jahre voraus, werden andere sie sehen,
Werden den Sonnenuntergang genießen, das Aufkommen der Flut, das Zurückgehen der Wasser Richtung offenes Meer bei Ebbe.
Bedeutungslos, Zeit und Ort, Distanz bedeutungslos
Ich bin bei Euch, Ihr Männer und Frauen einer Generation, so vieler Generationen voraus
Was Ihr fühlt, wenn Ihr blickt auf den Fluss und den Himmel, das fühlte ich
So wie jeder einzelne von Euch einer ist aus einer lebenden Menge, war auch ich einer in einer Menge
So wie Ihr erfrischt seid von der Freude des Flusses, dem strahlenden Fließen, war auch ich erfrischt,
So wie Ihr steht und euch hinauslehnt über die Reling, euch aber beeilt wegen der schnellen Strömung, beeilte auch ich mich
Was ist denn dann zwischen uns?
Was ist die Zahl der Jahrzehnte oder Jahrhunderte zwischen uns?
Was auch immer es ist, es hat keine Bedeutung, Distanz ist bedeutungslos und auch der Ort.
Ich lebte ebenfalls, die weitläufigen Hügel Brooklyns gehörten mir.
Auch ich lief auf den Straßen von Manhattan Island und badete in den Wassern ringsum
Auch ich fühlte die merkwürdigen Fragen plötzlich aufsteigen in mir.
Nicht nur auf Euch fallen die dunklen Flecken,
Das Dunkle warf seine Flecken auch ab auf mich.
Das Beste was ich getan hatte, schien mir leer und verdächtig.
Meine großartigen Gedanken, die ich also solche ansah, waren sie nicht in Wirklichkeit kümmerlich?
Auch weißt nicht nur Du, was es heißt, böse zu sein.
Ich bin es, der wusste was böse ist.
Auch ich knüpfte den alten Knoten des Widerspruchs,
Plapperte, errötete, bereute, log, stahl, grollte,
Hinterlist, Ärger, Lust, heiße Wünsche über die ich nicht zu sprechen wagte.
War launisch, eitel, gierig, oberflächlich, durchtrieben, feige, bösartig.
Der Wolf, die Schlange, der Eber, mir nicht zugestehend
Den betrügerischen Blick, das frivole Wort, den ehebrecherischen Wunsch, nicht wollend
Zurückweisungen, Hass, Aufschieben, Gemeinheiten, Faulheit, all das nicht wollend
War einer der anderen, der Tage und Zufälle der anderen,
Wurde gerufen bei meinen nächsten Namen von klaren, lauten Stimmen junger Menschen, die sahen wie ich näher kam oder vorüber ging.
Fühlte ihre Arme um meinen Nacken, während ich da stand, oder das nachlässige Lehnen ihres Fleisches gegen das meine, wenn ich saß
Sah viele, die ich liebte, auf der Straße, der Fähre oder in öffentlichen Versammlungen, und sagte ihnen nie ein Wort.
Lebte dasselbe Leben wie der Rest, dasselbe alte Lachen, Nagen, Schlafen
Spielte den Part, der still zurück blickt auf den Schauspieler oder die Schauspielerin 
Dieselbe alte Rolle, die Rolle, die das ist was wir aus ihr machen,
so groß wie wir wollen
Oder so klein wie wir wollen,
oder beides, groß und klein.

Still sein – Callarse – von Pablo Neruda

Ich veröffentliche hier nochmals einen Blogeintrag aus dem Jahr 2015. Irgendwie passt er gerade…

Ein Gedicht von Pablo Neruda über die Stille, das mir in englischer Sprache ins Netz ging, zog mich in seinen Bann. Ich suchte das spanische Original und versuchte mich dann an der folgenden deutschen Übersetzung. Anschließend kommt der Meister selbst zu Wort.

Pindo

STILL SEIN
(Pablo Neruda)

Jetzt zählen wir bis zwölf
und wir sind alle still.
Ein einziges Mal auf der Erde
sprechen wir in keiner Sprache,
für eine Sekunde mögen wir inne halten,
nicht so die Arme bewegen.

Es wäre eine Minute voller Duft,
ohne Eile, ohne Lokomotiven,
wir wären alle beieinander
in plötzlicher Unruhe.

Die Fischer des kalten Meers
täten den Walen nichts an
und der Arbeiter im Salz
blickte auf seine kaputten Hände.

Die grüne Kriege vorbereiten,
Kriege von Gas, Kriege von Feuer
Siege ohne Überlebende
zögen sich einen reinen Anzug an
und liefen mit ihren Brüdern
im Schatten, ohne etwas zu tun.

 Möge man das was ich will nicht verwechseln
mit endgültigem Nichtstun:
das Leben ist nur was man macht,
ich will nichts mit dem Tod.

Wenn wir nicht einig sein konnten
während wir unsere Leben so bewegten,
vielleicht einmal nichts tun
vielleicht eine große Stille könnte
diese Traurigkeit durchbrechen
dieses uns nie verstehen
und uns mit dem Tod bedrohen,
vielleicht lehrte uns die Erde
wenn alles tot scheint
und dann doch alles lebendig war.

Jetzt zähle ich bis zwölf
und du bist still und ich gehe.

=======

CALLARSE
(Pablo Neruda)

Ahora contaremos doce
y nos quedamos todos quietos.
Por una vez sobre la tierra
no hablemos en ningun idioma,
por un segundo detengamonos,
no movamos tanto los brazos.

Seria un minuto fragante,
sin prisa, sin locomotoras,
todos estariamos juntos
en una inquietud instantanea.

Los pescadores del mar frio
no harian danio a las ballenas
y el trabajador de la sal
miraria sus manos rotas.

Los que preparan guerras verdes,
guerras de gas, guerras de fuego,
victorias sin sobrevivientes,
se pondrian un traje puro
y andarian con sus hermanos
por la sombra, sin hacer nada.

No se confunda lo que quiero
con la inaccion definitiva:
la vida es solo lo que se hace,
no quiero nada con la muerte.

Si no pudimos ser unanimes
moviendo tanto nuestras vidas,
tal vez no hacer nada una vez,
tal vez un gran silencio pueda
interrumpir esta tristeza,
este no entendernos jamas
y amenazarnos con la muerte,
tal vez la tierra nos ensenie
cuando todo parece muerto
y luego todo estaba vivo.

Ahora contare hasta doce
y tu te callas y me voy.

Die Reise – revisited

Beim Schmökern in alten Blogeinträgen bin ich auf dieses Gedicht von Mary Oliver gestoßen. Auch nach 5 Jahren inspiriert und ermutigt es mich sehr. Deswegen nun hier noch einmal…

Die Reise

Eines Tages wusstest du endlich,
was zu tun war, und hast begonnen,
obwohl die Stimmen um dich herum
dir weiter ihren schlechten Rat zuriefen –
obwohl das ganze Haus
zu zittern begann
und du wieder spürtest
wie etwas an deinen Knöcheln zog.
„Mach mein Leben besser!“
riefen sie alle.

Aber du bist nicht stehen geblieben.
Du wusstest, was du zu tun hattest,
obwohl der Wind
mit seinen steifen Fingern
an den tiefsten Fundamenten rüttelte,
obwohl ihre Trauer
so schrecklich war.
Es war schon spät
genug, und eine stürmische Nacht,
und der Weg war voll von herabgefallenen
Zweigen und Steinen.

Aber Schritt für Schritt,
während du ihre Stimmen hinter dir ließest,
begannen die Sterne
durch die Wolkendecke zu glühen,
und da war eine neue Stimme,
die du langsam
als deine eigene erkanntest,
die bei dir blieb,
als du tiefer und tiefer
in die Welt gingst,
dazu bestimmt,
das einzige zu tun, was du tun konntest –
dazu bestimmt,
das einzige Leben zu retten, das du retten konntest.

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The Journey
One day you finally knew
what you had to do, and began,
though the voices around you
kept shouting
their bad advice –
though the whole house
began to tremble
and you felt the old tug
at your ankles.
„Mend my life!“
each voice cried.

But you didn’t stop.
You knew what you had to do,
though the wind pried
with its stiff fingers
at the very foundations,
though their melancholy
was terrible.
It was already late
enough, and a wild night,
and the road full of fallen
branches and stones.

But little by little,
as you left their voices behind,
the stars began to burn
through the sheets of clouds,
and there was a new voice
which you slowly
recognized as your own,
that kept you company
as you strode deeper and deeper
into the world,
determined to do
the only thing you could do –
determined to save
the only life you could save.

Mary Oliver

Ein Sprung in jedem Ding

Heute mal wieder Leonard Cohen gelauscht und an seiner Anthem hängen geblieben. Hier mein Versuch einer Übertragung ins Deutsche.

Für mich atmet die Hymne viel von Cohens Meditationserfahrungen. Die Jahre im Zen-Kloster strömen durch jede Zeile. Ich hoffe die Übertragung findet Gefallen. Anschließend zitiere ich das Original.

Pindo

 HYMNE
Die Vögel sie sangen
Zum Anbruch des Tages
Beginn von vorn
Das hört ich sie sagen
Verharr nicht bei
Vergangenem
Oder dem das noch nicht ist
 
Ja, Kriege, sie werden aufs Neue gekämpft
Die heil‘ge Taube
wieder gefangen sein
Gekauft und verkauft
Und wieder gekauft
Die Taube
Und niemals frei
 
Läutet die Glocken die noch läuten
Vergesst Euer vollkomm‘nes Opfer
Da ist ein Sprung in jedem Ding
Genau da kann das Licht herein.
 
Wir baten um Zeichen
Sie wurden gesandt
Geburten verraten
Und Ehen verschwendet
Ja, die Witwenschaft
ein jeder Regierung
Ist Zeichen für alle zu sehen
 
Ich kann nicht mehr laufen
Mit gesetzlosen Meuten
Während die Mörder da oben
Gebete posaunen
Aber sie hab'n sie erzeugt
Die Gewitterwolke
Und sie werden von mir hören
 
Läutet die Glocken die noch läuten
Vergesst Euer vollkomm‘nes Opfer
Da ist ein Sprung in jedem Ding
Da ist ein Sprung in jedem Ding
Genau da kann das Licht herein.
 
Du kannst die Teile zusammenzähl‘n
Und wirst doch keine Summe seh‘n
Du kannst zum Marsche blasen
Da ist aber keine Trommel
Jedes Herz zu lieben wird kommen
Aber wie einer auf der Flucht

Läutet die Glocken die noch läuten
Vergesst Euer vollkomm‘nes Opfer
Da ist ein Sprung in jedem Ding
Und genau da kann das Licht herein.
ANTHEM

The birds they sang
At the break of day
Start again
I heard them say
Don't dwell on what
Has passed away
Or what is yet to be
Yeah the wars they will
Be fought again
The holy dove
She will be caught again
Bought and sold
And bought again
The dove is never free
Ring the bells (ring the bells) that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack in everything (there is a crack in everything)
That's how the light gets in
We asked for signs
The signs were sent
The birth betrayed
The marriage spent
Yeah the widowhood
Of every government
Signs for all to see
I can't run no more
With that lawless crowd
While the killers in high places
Say their prayers out loud
But they've summoned, they've summoned up
A thundercloud
And they're going to hear from me
Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything (there is a crack in everything)
That's how the light gets in
You can add up the parts
You won't have the sum
You can strike up the march
There is no drum
Every heart, every heart to love will come
But like a refugee
Ring the bells that still can ring
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything (there is a crack in everything)
That's how the light gets in
Ring the bells that still can ring (ring the bells that still can ring)
Forget your perfect offering
There is a crack, a crack in everything (there is a crack in everything)
That's how the light gets in
That's how the light gets in
That's how the light gets in
 

„Gib niemandem die Schuld“

Mal wieder ein Fang im Netz: Pablo Nerudas Gedicht No Culpes a Nadie. Die Übersetzung ist von mir, anschließend folgt das spanische Original.

Pindo

Gib niemandem und nichts die Schuld,
denn grundsätzlich hast du gemacht
was du in deinem Leben wolltest.

Akzeptiere, dass es schwierig ist, dich selbst zu erbauen
und dass du Mut brauchst, willst du damit beginnen, dich zu korrigieren.
Der Triumph des wahren Menschen erhebt sich aus
der Asche seiner Fehler.

Beschwer dich nicht über deine Einsamkeit oder dein
Schicksal, geh es mit Mut an, akzeptiere es.
Auf die eine oder andere Weise ist es das Resultat 
deines Handelns und zeigt, dass du immer
gewinnen wirst.

Verbittere nicht wegen deines eigenen Scheiterns und
wirf es niemandem vor, akzeptiere es jetzt
oder du wirst dich immer weiter rechtfertigen wie ein Kind.
Denk daran, dass jeder Moment gut ist
um zu beginnen und keiner
so schrecklich, dass du aufgeben müsstest.

Vergiss nicht: die Ursache deiner Gegenwart
ist deine Vergangenheit und so wird die Ursache deiner
Zukunft deine Gegenwart sein.

Lern von den Kühnen, den Starken,
von denen, die Situationen nicht akzeptieren, die leben, trotz allem,
denk weniger an deine Probleme und mehr an deine Arbeit
und, ohne dass du sie beseitigst, werden deine Probleme sterben.

Lern, dich aus dem Schmerz zu gebären und
größer zu sein als das größte deiner
Hindernisse, schau dich im Spiegel an
und du wirst frei sein und stark und nicht mehr
eine Marionette der Umstände, weil du
selbst dein Schicksal sein wirst.

Erheb dich und sieh die Sonne am Morgen,
atme das Licht des Tagesanbruchs.
Du bist Teil der Kraft des Lebens,
wach auf jetzt, kämpf, lauf, entscheide dich
und du wirst triumphieren im Leben; denk niemals
daran, ob du Glück hast; denn Glück ist:
die Ausrede der Gescheiterten.

Und hier das sprachgewaltige Original:

Nunca te quejes de nadie, ni de nada,
porque fundamentalmente tú has hecho
lo que querías en tu vida.

Acepta la dificultad de edificarte a ti
mismo y el valor de empezar corrigiéndote.
El triunfo del verdadero hombre surge de
las cenizas de su error.

Nunca te quejes de tu soledad o de tu
suerte, enfréntala con valor y acéptala.
De una manera u otra es el resultado de
tus actos y prueba que tú siempre
has de ganar.

No te amargues de tu propio fracaso ni
se lo cargues a otro, acéptate ahora o
seguirás justificándote como un niño.
Recuerda que cualquier momento es
bueno para comenzar y que ninguno
es tan terrible para claudicar.

No olvides que la causa de tu presente
es tu pasado así como la causa de tu
futuro será tu presente.

Aprende de los audaces, de los fuertes,
de quien no acepta situaciones, de quien
vivirá a pesar de todo, piensa menos en
tus problemas y más en tu trabajo y tus
problemas sin eliminarlos morirán.

Aprende a nacer desde el dolor y a ser
más grande que el más grande de los
obstáculos, mírate en el espejo de ti mismo
y serás libre y fuerte y dejarás de ser un
títere de las circunstancias porque tu
mismo eres tu destino.

Levántate y mira el sol por las mañanas
y respira la luz del amanecer.
Tú eres parte de la fuerza de tu vida,
ahora despiértate, lucha, camina, decídete
y triunfarás en la vida; nunca pienses en
la suerte, porque la suerte es:
el pretexto de los fracasados.

 

Pablo Neruda