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Achtsam und kreativ – ein Schulprojekt

IMG_5125Projekttage am Friedrich-Ebert-Gymnasium Berlin. Seit Jahren mache ich an dieser Schule Angebote zur Achtsamkeit – für Schülerinnen und Schüler sowie auch für Kolleginnen und Kollegen.

In diesem Jahr habe ich mir etwas Neues überlegt.Die Idee war, Meditation mit Handeln zu verbinden, ein Produkt aus einem achtsamen Geist heraus zu erstellen. Daraus wurde das Projekt „Achtsam und kreativ“.

Wir sind am ersten Tag auf das Südgelände Berlin gegangen, einen alten Rangierbahnhof, der sich nach dem Krieg in eine Wildnis verwandelt hat und vor einigen Jahren als Naturpark wach geküsst wurde.

Dort haben wir den Vormittag verbracht. Wir sind langsam über das Gelände gegangen, haben uns an verschiedenen Orten niedergelassen und ich habe in verschiedene Meditationstechniken eingeführt. Der Fokus lag vor allem im Außen, außen sehen und außen hören. Dazu Körperwahrnehmung und achtsames Atmen.

Heute, am zweiten Tag, haben wir uns dann in der Schule gesprochen, weiter mineinander praktiziert. Schließlich begann eine Phase intensiver Einzelarbeit, in der wir gemeinsam die unten stehende Webseite erstellt haben. Alle Beiträge, mit einigen wenigen Ausnahmen, die ich beigesteuert habe, sind von meinen Schülerinnen und Schülern. Am Projekt haben Jugendliche aller an der Schule vertretenen Klassen – von der 7. bis zum 2. Semester der Oberstufe – teilgenommen.

Die Ergebnisse sind beeindruckend.

Pindo

Made with Padlet

Blick eines Schülers auf den Schweinehund

Einer meiner Schüler berichtete kürzlich in der Mind the Music – AG von  seinem achtsamen Umgang mit dem inneren Schweinehund. Ich war so beeindruckt, dass ich ihn bat, seine Gedanken zu verschriftlichen. Hier ist das Resultat:

Für mich war es früher immer sehr schwer meinen inneren „Schweinehund“ zu überwinden. Ich will damit nicht sagen, dass ich nur faul rumgelegen habe, aber ich habe z.B. meine Pflichten immer sehr unmotiviert und schlecht gelaunt erledigt. So ging mir das manchmal sogar bei Hobbies, obwohl mir die ja eigentlich Spaß machen müssten.

Als Sie uns dann Achtsamkeit gezeigt haben, war ich erstmal ganz normal interessiert und habe  geguckt, ob das wirklich was für mich ist. Anfangs ging ich noch gar nicht davon aus. Nach den ersten positiven Erfahrungen kam ich in die AG, das war dann auch für mich die schwerste Zeit, da der Kritiker in mir immer wieder aufhören wollte. Irgendwann hatte ich dann eine richtig intensive Erfahrung und da habe ich gemerkt, dass ich danach viel klarer denken konnte und viel fokussierter war. Das half mir dann auch, meinen „Schweinehund“ zu überwinden: Ich habe ihn einfach immer wieder angeguckt, so, wie Sie uns das beigebracht haben und ich habe geguckt, ob da noch andere Gefühle sind.

So ähnlich mache ich das jetzt immer, wenn ich den Fokus verliere oder wenn ich schlecht gelaunt bin. Jetzt fällt mir das auch schon viel leichter als früher, und ich kann spontan aufkommende Gefühle, wie Wut und Ärger besser unter Kontrolle bringen. Früher war mir das nie gelungen, wenn ein Wutausbruch etwas heftiger wurde. Für diese Sachen benutze ich Achtsamkeit heute eigentlich immer und ich habe dadurch eine ganz neue Lebensqualität erlangt.

M.H.

Achtsamkeit und Gymnasium – geht das?

Vor etwa vier Jahren habe ich damit begonnen, das Thema Achtsamkeit in die Öffentlichkeit meiner Schule zu bringen. Seitdem ist einiges passiert. Die folgende Auswahlliste vermittelt einen Eindruck.

Ich habe die Trainerbefähigung für drei jugendorientierte Achtsamkeitsprogramme, Mind the Music, Modern Mindfulness und .b – Mindfulness in Schools, erworben und sie mit Schülergruppen erprobt.

Weit über 100 Schülerinnen und Schüler haben an mehrwöchigen Achtsamkeitstrainings teilgenommen, weitere ca. 50 Schülerinnen und Schüler an eintägigen Workshops im Rahmen von Projekttagen.

Mein aktueller Leistungskurs Englisch hat sich einstimmig dafür entschieden, ein Achtsamkeitsprogramm als Vorbereitung auf das Abitur zu durchlaufen.

Ich leite eine Achtsamkeits-AG, in der wöchentlich Schülerinnen und Schüler zusammen kommen. Die Gruppe ist klein (derzeit 4-8 Teilnehmer/innen), das Niveau, auf dem die dort versammelten jungen Experten arbeiten, dafür umso faszinierender. Mehrere Einträge in diesem Blog zeugen davon.

Zweimal die Woche treffen sich Kolleg/inn/en und Schüler/inn/en zur Achtsamen Viertelstunde, einer kurzen Sitzmeditation im Auge des Sturms unserer Mittagspause

Seit kurzer Zeit organisieren wir ein Sitzen in Stille vor den Gesamtkonferenzen.

Die organisierte Elternschaft unterstützt die Arbeit sehr und hat vorgeschlagen, den Begriff „Achtsamkeit“ im Leitbild der Schule zu verankern.

Seit Januar 2016 nehmen 4 Kolleginnen und Kollegen an der von Fokus Achtsamkeit organisierten Lehrerfortbildung zum Programm Mind the Music teil.

Bei mir erzeugt diese Rückschau ein tiefes Gefühl der Freude und der Dankbarkeit so vielen Menschen gegenüber:

meiner Schulleitung, die mich einfach mal hat machen lassen,
den Schülerinnen und Schülern, die sich öffnen und auf den Weg begeben,
Kolleginnen und Kollegen, die mich ermutigen, mittun und unter denen vier nun zu ganz aktiven Mitstreitern werden,
Eltern, die mit Wohlwollen und Dankbarkeit auf diese Arbeit reagieren, die ja zunächst einmal an einem Gymnasium eher exotisch wirkt, …

Wir alle miteinander haben in den vergangenen Jahren die Erfahrung gemacht:

Achtsamkeit und Schule – ja das geht!

Pindo