Schlagwort-Archive: Achtsamkeit im Alltag

Achtsame Schule in Zeiten von Corona

Meine Schule ist seit 10 Tagen geschlossen. Ich habe einige Tage benötigt, um mich als Lehrer auf die neue Situation einzustellen, aber nun sind alle Klassen in digitalen Lernräumen mit Aufgaben versorgt. Einmal die Woche sehen wir uns per Videokonferenz, vor allem um die Gemeinschaft zu spüren, miteinander zu reden und aus der Vereinzelung heraus zu kommen.

Wichtig ist mir auch, die Räume für Achtsamkeit, die wir in der Schule geschaffen zu haben, in der virtuellen Welt neu zu eröffnen. Für meine Kolleginnen und Kollegen biete ich nun dreimal die Woche eine Meditation per Telefonkonferenz an. Soeben saßen wir bereits zum zweiten Mal mit 7 Kolleginnen und Kollegen beisammen und ließen gemeinsam die Aufmerksamkeit durch unseren Körper wandern. Faszinierend, dass die beseelte Ruhe, die sich in einer meditierenden Gruppe nach kurzer Zeit einstellt, auch am Telefon entsteht.

Coronataugliche Achtsamkeitsutensilien

Auch meine Achtsamkeits-AG läuft per Video-Konferenz weiter. Gestern tagten wir zum ersten Mal. Die 6 vertrauten Gesichter sitzen nun nicht mit mir im Kreis, sondern sind vor mir schachbrettartig auf dem Monitor angeordnet. Aber sonst ist vieles gleich. Dieselbe Vertrautheit, schöne Gespräche entstehen, wir hören gemeinsam Musik und sprechen über unsere Erfahrungen. Und wir schmieden Pläne. Wir wollen uns selbst und die anderen in der Auszeit stützen, indem wir noch intensiver miteinander Achtsamkeit praktizieren. Jede Woche steht ein Leitthema im Raum, am Anfang das Nähren des Positiven. Mehr dazu morgen in einem weiteren Blogeintrag.

Schönheit des Verfalls

Beim Blick aus dem Fenster ins schneebedeckte, winterruhende Berlin wirkt dieses Herbstfoto anachronistisch.

Blätter im Herbst sind Symbole für die Ästhetik des Augenblicks. Vom Verfall gezeichnet leuchten sie dennoch in der durchscheinenden Morgensonne zu wahren Lichtkunstwerken auf. Und auch wenn das Blatt anscheinend stirbt, so ist es doch nur Teil des großen Ganzen, in diesem Fall des Baumes, der zur Ruhe kommt, um im kommenden Jahr mit frischer Kraft weiterleben zu können.

Pindo

IMG_7765.JPG

Herbstfarben am Tag der deutschen Einheit

Es ist faszinierend, dabei zuzusehen, wie der Herbst in die Bäume einzieht. Er sucht sich zunächst die Blätter eines Zweigs aus und breitet sich dann ganz langsam über das gesamte Blattkleid aus. Dieses Bild entstand gestern in Schöneberg.

Pindo

IMG_7580

Atlantische Farben

Diese Bilder entstanden im Juli und August am Atlantik in Galicien. Die Farben der Wasserlandschaften rufen die Emotionen eines einzigartigen Sommers zurück ins nun schon vom Herbst gezeichnete Bewusstsein.
(Übrigens: Im Winter sieht dieselbe Gegend so aus.)

 

Pindo

Blind vor Wut

Die Erfahrung von heute morgen steckte mir noch Stunden später in den Knochen. Ich brachte meine Kinder mit dem Auto zur Schule, wobei ich für ca. 300 Meter eine verkehrsberuhigte Zone durchqueren musste. In der Straße ist es sehr eng, es parken immer viele Autos dort und es herrscht trotz der Verkehrsberuhigung reger Verkehr – von Autos und vor allem von vielen Fahrrädern, bei denen die Straße als Ost-West-Schleichweg beliebt ist.

Ich fuhr gerade im Schritttempo in Richtung der künstlich verengten Straßenausfahrt, als es passierte: Ein entgegen kommendes Auto fuhr in die Straße ein, anstatt mich zuerst durch zu lassen, und blieb aufgrund des Platzmangels direkt vor mir stehen. Von hinten kam ein weiteres Auto und ein Fahrradfahrer, der sich in hohem Tempo durch die Lücke quetschte und mich sofort lauthals zu beschimpfen begann.

Ich wusste nicht wie mir geschah, zumal ich alle Verkehrsregeln beachtet hatte und schob das Fenster herunter, um ihn zu fragen, was los war. Er bedachte mich mit den übelsten Kraftausdrücken und schrie mir ins Gesicht, das sei eine Fahrradstraße, ich hätte dort nichts verloren. Dabei zeigte er auf das Schild direkt neben uns, das ganz eindeutig so aussah:

Großansicht: Straßenschild Spielstraße Anfang

Ich war sprachlos, blickte auf das Schild, dann wieder auf den Mann, der ebenfalls auf das Schild sah und mich weiter verbal besudelte.

Ich nahm all meine in den vergangenen Jahren achtsam erworbene Selbstbeherrschung zusammen, gewann bewusst atmend langsam Distanz zu meinen Mordphantasien und konzentrierte mich dann darauf, zu überlegen, wie ich die Frage meiner Tochter beantworten würde: „Papa, der hat Wi**er zu dir gesagt. Was is’n das?“.

Pindo