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Das Häslein

Ein Buchgeschenk meiner Mutter lässt mich Christian Morgenstern neu entdecken. Das folgende Gedicht passt hier her:

Das lyrische Ich erfährt draußen in der Natur einen wunderbaren Moment des Verbundenseins mit dem großen Ganzen. Zauberhaft in Worte gefasst.

Die Verse stehen im Dialog mit einem Waldfoto, das im Sommer auf der Halbinsel Morrazo in Galicien entstanden ist.

Pindo

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Unterm Schirme, tief im Tann,
hab ich heut gelegen,
durch die schweren Zweige rann
reicher Sommerregen.

Plötzlich rauscht das nasse Gras –
stille! nicht gemuckt! -:
Mir zur Seite duckt
sich ein junger Has…

Dummes Häschen,
bist du blind?
Hat dein Näschen
keinen Wind?

Doch das Häschen, unbewegt,
nutzt, was ihm beschieden,
Ohren, weit zurückgelegt,
Miene, schlau zufrieden.

Ohne Atem lieg ich fast,
laß die Mücken sitzen;
still besieht mein kleiner Gast
meine Stiefelspitzen…

Um uns beide – tropf – tropf – tropf –
traut eintönig Rauschen…
Auf dem Schirmdach – klopf – klopf – klopf.
Und wir lauschen… lauschen…

Wunderwürzig kommt ein Duft
durch den Wald geflogen;
Häschen schnubbert in die Luft,
fühlt sich fortgezogen;

schiebt gemächlich seitwärts, macht
Männchen aller Ecken…
Herzlich hab ich aufgelacht -:
Ei der wilde Schrecken!

„Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden“ …

Gestern ein ruhiger Tag mit der Familie im Wald.
Buchen, Linden, Eichen, Schluchten, Spechte, Kobolde, Vogelgesang, Holzofenbrot und ein Schlossgespenst an der Burg Rabenstein im hohen Fläming. Ein zauberhafter Ort.
Auf dem Weg ins Tal entstehen Fotos. Wir kommen an einer Tafel vorbei, die ein Gedicht von Erich Kästner darbietet:

Die Seele wird vom Pflastertreten krumm.
Mit Bäumen kann man wie mit Brüdern reden
und tauscht bei ihnen seine Seele um.
Die Wälder schweigen. Doch sie sind nicht stumm.
Und wer auch kommen mag, sie trösten jeden.

 

Pindo

Wanderer, deine Spuren …

Eines meiner liebsten spanischen Gedichte hat Antonio Machado geschrieben:

Caminante, son tus huellas
el camino y nada más;
Caminante, no hay camino,
se hace camino al andar.
Al andar se hace el camino,
y al volver la vista atrás
se ve la senda que nunca
se ha de volver a pisar.
Caminante no hay camino
sino estelas en la mar.

Meine eigene, die schlichte Schönheit nur teilweise wiedergebende Übersetzung lautet:

Wanderer, deine Spuren
sind der Weg und sonst nichts;
Wanderer, es gibt keinen Weg,
der Weg entsteht beim Gehen.
Beim Gehen entsteht der Weg,
und beim Blick zurück
sieht man den Pfad, den niemals
man wieder betreten wird.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
sondern nur Spuren im Meer.

Vielleicht ein Credo: Ich nehme das Entstehen des Weges im Jetzt wahr und bin … glücklich.

Pindo