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Wellen im Meer und an Land

In Peter Wortmans zweisprachigem Prosawerk Stimme und Atem – Out of Breath – out of Mind finde ich die kurze Kindheitserinnerung Der einäugige Kater, oder die Wellentheorie. Darin beschreibt der Autor, wie er im Alter von etwa 10 Jahren am Strand seine Angst vor dem Meer überwindet.

Bis dahin hatte ich eine riesige Angst vor dem Ozean und ging nur widerstrebend zum Strand. Ich mauerte mich in einer Sandburg mit hohen Mauern ein. Doch kamen immer wieder die Wellen und mit einem Hieb zertrümmerten sie meine Festung.

Ich sprang auf und warf mich aus Wut und Verzweiflung ins Wasser, sofort wurde ich von einer Welle umgeworfen. Erst weinte ich. Schnell lernte ich aber, dass die Wellen zwar unbesiegbar waren, dass man sie aber reiten konnte. Ruhig muss man warten, bis auf der Wasserfläche plötzlich ein wilder wackeliger Hügel mit einer Schaumkrone bedeckt wächst. Erst dann, wenn sie die richtige Höhe erreicht hat, wirft man sich, Kopf vorwärts, in die brechende Welle, streichelt sie auf dem Gipfel, wo es braust und schäumt, über den Wirbel unter dem Bauch und zwischen den Beinen, und gleitet auf dem flüssigen Sattel dem Strand entgegen.

Wellen gibt es auch an Land und auch in den Gedanken, das lernte ich erst viel später, nur sind sie da unsichtbar und deshalb um so schwieriger zu erkennen und zu reiten.

Stimme und Atem, S. 26f

Spannend diese Analogie zwischen den Meereswellen und den Wellen der Gedanken. An manchen Tagen überfluten sie mich, brausen und schäumen in und um mich herum. An anderen gelingt es mir, in die Rolle des Betrachters zu schlüpfen und der Wucht bewusst Raum zu geben, und je mehr Raum sie erhalten, desto weniger bedrohlich wirken sie.

Und wer weiß? Womöglich ist es eine Frage der Übung – und irgendwann ist der Raum groß genug und aus der Bedrohung erhebt sich eine Empfindung von Erhabenheit und Ehrfurcht. So wie im Januar vor drei Jahren beim Anblick des Indischen Ozeans, wie er an die Südküste von Australien peitschte.

Pindo

Winterfarben in Galicien

Cabo Udra, Februar 2020

In den Winterferien eine Woche in Galicien verbringen, am Cabo Udra auf Morrazo sitzen und die winterlichen Farben aufsaugen, dem Wellenspiel zuhören und eine Gruppe von Delphinen beobachten, die gemächlich, auf und nieder, auf und nieder, ins Innere der Bucht von Pontevedra schwimmt. Welch ein Geschenk.

Pindo

Bemerkenswerte Felsen

Kangaroo Island ist ein wildes Inselparadies im Süden Australiens, das ich im Januar 2017 besuchen durfte. Und ganz im Westen der Insel kommt man zu diesem Ort direkt am Meer, der mit angelsächsischem Understatement REMARKABLE ROCKS genannt wird. Selten hat mich ein Ort auf ähnliche Weise in seinen Bann gezogen.

Pindo

 

 

Zwischen den Jahren am Atlantik

Wärmende Sonne im Gesicht
Kalter Wind auf der Haut
Peitschender Regen,
Ohrenbetäubende Brandung
Schneeweiße Gischt
Der Duft frischen Seetangs
Blautöne im Wasser
Möwengekreisch
Sturm der an den Fensterläden rüttelt
Formen und Farbenwunder
Der Muscheln am Strand
Wolkenformationen
Im anziehenden nächsten Sturm

Die Atlantikküste in Galicien ist einfach ein herrlicher Ort für die Zeit zwischen den Jahren. (Übrigens: Im Sommer sieht dieselbe Gegend so aus.

Möge 2016 uns allen viel Glück, Gesundheit und Achtsamkeit bringen.

Pindo

Am Ende der Welt

Das Kap von Finisterre in Galicien ist seit Jahrtausenden ein besonderer Ort für die Menschen.

Für die Römer war es das FINIS TERRAE, das Ende der Welt. Die Galicier nennen es in ihrer Sprache FISTERRA.

Tausende Jakobspilger ziehen jedes Jahr über Santiago de Compostela hinaus noch ca. 80 km weiter, um an diesem Ort ihre spirituelle Reise abzuschließen. Eine Theorie besagt, dass sie damit einer jahrtausendalten, vorchristlichen Tradition folgen.

Für mich ist Finisterre bei jedem Besuch aufs Neue einmalig. Dort verwandelt sich die untergehende Sonne schon einmal in den Geist, der über dem Wasser schwebt.

An einem anderen, regnerischen Tag wird der Blick auf einen vorgelagerten Felsen zur Meditation über die Farbe Blau.
Pindo

Kap Finisterre

Kap Finisterre

Blick vom Kap

Blick vom Kap