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Achtsamkeit im Familienleben: Der Familienrat

Unsere Töchter sind 5 und 7 Jahre alt. Zwei wunderbare, kluge, kreative und sehr sensible Wirbelwinde, mit eigenen Gedanken, einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit und dem Anspruch, sich nicht nur von den Erwachsenen herum kommandieren zu lassen. Natürlich sorgt das immer mal wieder auch für gehörigen Konfliktstoff. Bei der Suche nach einem Ventil für unsere Auseinandersetzungen ist mir die Idee des Familienrates gekommen:

Im Familienrat sitzen wir zu viert gemeinsam auf dem große Teppich im Wohnzimmer. In der Mitte von uns steht eine Klangschale. Der Familienrat beginnt, indem eines der Kinder die Schale erklingen lässt und wir alle dem verhallenden Ton nach hören. Dieses gemeinsame Klangerlebnis bringt uns in eine ruhige und konzentrierte Haltung. Während des Rates dürfen alle Mitglieder sagen, was ihnen derzeit an unserem Zusammenleben gefällt, was sie stört oder einfach nur, was sie gerade beschäftigt. Die Regeln des Rates sind einfach: Jeder darf alles sagen. Niemand fällt dem anderen ins Wort. Keiner erhebt die Stimme. Am Ende des Rates steht wieder die Klangschale.

Wir Eltern nutzen den Rat, um Ankündigungen über wichtige Ereignisse zu machen, die unseren Alltag prägen. Außerdem äußern wir Kritik an Verhaltensweisen, die uns gerade nicht gefallen oder gehen nochmals auf einen Streit ein, der kürzlich für Spannung in der Familie gesorgt hat. Wir bringen aber auch immer Lob für etwas mit ein, das gerade besonders gut klappt. Den Kindern gefällt der Rat sehr. Sie fühlen sich ernst genommen und nutzen den Moment des ruhigen Zusammenseins, um auch selbst in ruhiger Form Dinge vorzubringen, die sie so nicht mögen.

Der Familienrat – eine achtsame Bereicherung unseres Familienlebens.

Pindo

Schäfchenzählen revisited

Gestern erschien mir plötzlich das bekannte Zählen von Schäfchen in einem völlig neuen Licht. Bisher war ich immer davon ausgegangen, dass der Trick darin besteht, den Geist mit einer eintönigen Tätigkeit so lange zu beschäftigen, bis er vor Langeweile einschläft. Aber jetzt sehe ich das anders:

Handelt es sich beim Schäfchenzählen nicht vielmehr um ein in unserer Gesellschaft verankertes Achtsamkeitsritual? Das Zählen verlangsamt den Gedankenfluss, der Geist kommt zur Ruhe, die Atmung wird gleichmäßiger und in Folge der eintretenden Entspannung schlafe ich ein?

Kennen Sie weitere Rituale verborgener Achtsamkeit im Alltag? Ich freue mich auf Ihre Kommentare

Pindo