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Lehrer im Frühsommerglück

Ja, mein Beruf ist wunderschön, vor allem in den Wochen vor den Sommerferien, wenn die Arbeiten korrigiert und die Noten eingetragen sind und ich mit meiner Klasse noch einen Abschlussausflug unternehme. Mit der Draisine fahren wir auf einem stillgelegten Bahngleis von Zossen nach Mellensee, südlich von Berlin und dann mit dem Hydrobike aufs Wasser.

Da wird der Geist ruhig, das Auge verschmilzt mit den Blautönen der Umgebung und der See erscheint so unendlich wie der vor mir liegende Sommer.

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Achtsamer Flow im Spanischunterricht

Die Doppelstunde gestern war eigentlich Alltagsgeschäft: Einführung in eine neue Lehrbucheinheit mit einer Spanischklasse im zweiten Lernjahr war angesagt.

Im Mittelpunkt stand eine Comicsequenz, die auch in einer Audiofassung vorlag:  Eine Clique von Freunden trifft sich nach den Ferien wieder und tauscht sich über die Ferien und den bevor stehenden Schulbeginn aus.

Zu Beginn hatte ich einen groben Unterrichtsplan im Kopf. Dann schaute ich aber in die müden Gesichter der Gruppe und begann spontan mit einer Achtsamkeitsübung. Die Klasse kennt das sehr einfache Schema dieser ca. fünfminütigen Einheit bereits und liebt es:

Wir fokussieren zunächst nacheinander Füße, Hände, Schultern,  dann den Atem und beobachten ihn für einige Zeit. Während der Übung sage ich den Schülern mehrfach, dass ihre Gedanken nun vermutlich auf Wanderschaft gingen und dass dies völlig normal sei. Sie sollen die Aufmerksamkeit dann einfach gelassen zum Atem zurück bringen.

Nach etwa drei Minuten wechseln wir den Fokus  vom Atem auf das eigene Hören, wir verschmelzen gleichsam mit den Ohren,  horchen gemeinsam auf all die Geräusche um uns herum, Gepolter auf dem Gang, das Summen des Projektors am Whiteboard, die Vögel draußen in den Bäumen, Wind, Stühleknarren, Husten , …

Wieder erinnere ich an die Normalität des Gedankenflugs und die Möglichkeit, einfach immer wieder aufs Neue zurück zu kehren zum Fokus, in diesem Fall zum HÖREN.

So weit so gut. Der Ablauf ist meinen Schülern und mir vertraut und inzwischen ein Garant für fünf Minuten Wohlgefühl. Gestern geschah dann jedoch etwas Neues:

Ich bat die Schüler spontan, den Fokus Hören bei zu behalten und in ihrem entspannten Zustand die Hörfassung des oben beschriebenen Textes anzuhören. (Hier der Link zu einer ähnlichen Erfahrung mit meinem Leistungskurs Englisch.)

Ich gab den Schülern einen einfach gehaltenen Auftrag, der darauf abzielte, nur die wesentlichen Aspekte der Situation zu erfassen: Wer unterhält sich in welcher Situation ganz grob worüber?

Nach dem Anhören tauschten sich die Schüler mit ihren Nachbarn über ihre Erkenntnisse aus und ich notierte diese an der Tafel. Dabei übertraf die Klasse meine Erwartungen deutlich.

Ich beglückwünschte die Schüler zu ihrer Leistung und wies sie dann auf eine Beobachtung hin, die ich während des ersten Hördurchgangs gemacht hatte: Trotz der vorgeschalteten Entspannungsübung hatten auch diesmal mehrere Schüler wieder nach Einsetzen der Aufnahme mit spontaner Ablehnung reagiert: „Boah ist das schwer, ich verstehe ja kein Wort.“ Ich zeigte auf die gesammelten Informationen auf der Tafel, die dieser Selbsteinschätzung völlig zuwider liefen. Dann hielt ich ihnen einen Minivortrag über die Angewohnheit von uns Menschen, unsere Sinneseindrücke immer sofort zu beurteilen, anstatt sie einfach erst einmal wirklich wahr zu nehmen. Dabei griff ich auf mein Wissen aus dem MBSR-Kurs bei Karin Wolf zurück, in dem wir das Nicht-Urteilen als eine der meditativen Grundhaltungen eingeübt hatten. (Vgl. hierzu diesen Eintrag.)

Ich bat die Schüler nun, sich nochmals kurz zu entspannen und den Fokus Hören wieder aufzubauen, um der Tonaufnahme ein zweites Mal zu lauschen. Diesmal sollten sie jedoch bewusst versuchen, Urteile jeglicher Art zu vermeiden.

Die Ergebnisse waren für mich spektakulär. Die Schüler hörten eine Vielzahl von Details heraus, anschließend stand die Geschichte in ihren wesentlichen Punkten klar erkennbar an der Tafel.

Nun lasen wir den Comic gemeinsam und hörten dazu nochmals die Tonfassung. Zwischendurch unterbrach ich an mehreren Stellen, stellte kurze Verständnisfragen und erläuterte ein neues grammatisches Phänomen.

Dann traf ich die nächste Entscheidung aus dem Moment heraus. Ich bat die Schüler, die Texte zu verdecken, ihre Augen zu schließen und eine Minute in Stille auf ihre innere Stimme zu lauschen, die ihnen nun wichtige Wörter aus der Geschichte vorsagen würde.

Die Plenumsphase anschließend ergab ein wahres Feuerwerk von neuen Wörtern, an die sie sich erinnerten.

Nächste Idee – Assoziationen! „Nun machen wir eine Wortkette: Ein Schüler sagt ein Wort aus der Geschichte, der nächste sagt ein anderes, das ihm in den Sinn kommt, wenn er das vorherige Wort hört und so weiter.“ So wiederholten wir die Wörter nochmals, in anderer Reihenfolge und festigten sie durch den assoziativen Charakter der Übung.

Beim Austauschen der Wortassoziationen griff ich nochmals kurz ein und schlug den Schülern vor, den Fokus Hören aus der formellen Übung vom Stundenbeginn nun auch auf den Austausch mit den Klassenkameraden zu übertragen. So, wie wir vorhin dem Text gelauscht hatten, könnten wir nun den Stimmen der anderen im Raum zuhören.

Die Folge war eine konzentrierte Stille, stets nur unterbrochen von der Stimme eines einzelnen Schülers, eine Stille, in der man die Energie der Gruppe förmlich mit Händen greifen konnte. Schüler, die sich zuhören und austauschen, ohne dass man für Disziplin sorgt – Sternstunden für jeden Pädagogen. In den vergangenen Monaten hatte ich sie schon öfters direkt nach einer Achtsamkeitsübung erlebt. Nie jedoch hatten sie so lang angehalten wie diesmal.

Während die Schüler im Austausch waren, überlegte ich mir den nächsten Schritt: Logisch,  Schreiben passte jetzt. Also: „Nehmt euch ein Blatt Papier und formuliert einzelne Sätze, die zur Geschichte passen. Die Sätze müssen nicht unbedingt im Zusammenhang zueinander stehen.“

Die Schüler setzten sich hin, sofort setzte das übliche Gemurmel mit den Tischnachbarn ein und die Konzentration brach binnen Sekunden in sich zusammen. Darauf ergriff ich wieder spontan kurz das Wort und schlug ihnen vor, noch einen neuen Fokus auszuprobieren. „Probiert es jetzt einmal mit SCHREIBEN. Jedes Mal, wenn eure Gedanken auf Wanderschaft gehen, bringt ihr sie zurück zum SCHREIBEN.“ Wieder war die Wirkung umwerfend. Sofort kehrte die Energie zurück. Für die nächsten 10 Minuten formulierten alle Schüler mit Sorgfalt Sätze in ihrem Spanisch.

Es folgte eine weitere Plenumsphase, in der ein Schüler einen Satz vorlas und anschließend selbstständig einen anderen Schüler dran nahm. Zwischendurch schlug ich den Vorlesenden kurz vor, mit Hilfe des Fokusses SPRECHEN der eigenen Stimme mehr Druck zu verleihen. Auch das wurde sofort umgesetzt und die Schüler waren sofort besser zu verstehen.

Dann ging diese ganz besondere Doppelstunde, in der wir ohne Pause gearbeitet hatten, zu Ende. Ich lobte die Schüler nochmals  und dankte ihnen für die konzentrierte Mitarbeit. Abschließend sagte ich Ihnen, ich wollte eine schriftliche Hausaufgabe erteilen. Ich fragte, wie eine Schreibaufgabe aussehen könnte, in der all das heute Gelernte nochmals zusammen fließen würde und die für sie interessant zu bearbeiten sei. Gemeinsam entwickelten wir so folgenden Arbeitsauftrag: Übernehme die Perspektive einer der Personen aus dem Comic und schreibe in dein Tagebuch über das Wiedersehen mit deinen Freunden nach den Sommerferien.

Es klingelte, die Schüler verließen gut gelaunt den Raum. Im Vorbeigehen verabschiedeten sich alle persönlich vor mir.

Zurück blieb ich mit einer Referendarin, die in der Stunde hospitiert hatte. Sie kam nach vorn, pures Staunen auf ihrem Gesicht. Sie schüttelte ungläubig den Kopf und fragte mich, wie lange ich denn an der Planung für diese Stunde gesessen hätte.

Meine Reaktion: Fassungsloses Schulterzucken und zwei Worte: „Reine Improvisation.“

Pindo

 

Achtsamer Stundenbeginn

Achtsam eine Unterrichtsstunde beginnen? Bei mir funktioniert es in zwei kleineren Lerngruppen der Mittelstufe inzwischen so gut, dass die 14-jährigen Schüler mich selbst daran erinnern, wenn ich es einmal vergesse.

Das Ritual besteht aus einer fünfminütigen Achtsamkeitsübung, bei der mich eine Klangschalen-App auf meinem Smartphone untestützt. Die Klangschale leitet die Übung ein, markiert die Halbzeit nach zweieinhalb Minuten und signalisiert mit einem dreifachen Klang das Ende.

Wir setzen uns gerade hin, schließen die Augen oder lassen den Blick ins Leere gleiten. Dann nehmen wir drei tiefe Atemzüge, wobei wir bei jedem Einatmen bewusst die Wirbelsäule aufrichten und bei jedem Ausatmen den Körper zur Ruhe kommen lassen.

Anschließend lassen wir die Kontrolle des Atems los, suchen uns einen Ort im Körper, an dem wir ihn weiterhin besonders gut wahrnehmen (Wölbung von Brustkorb oder Bauchdecke, Lufthauch an der Nase) und gehen dazu über, den Atem nur noch zu beobachten.

Weiterhin senden wir mit unserem Geist dem Körper Signale. Jedes Einatmen ist ein Aufrichten, jedes Ausatmen ein Entspannen. Dies können die Schüler verstärken, indem sie mit ihrer inneren Stimme beim Atmen Botschaften formulieren: „Aufrichten … Entspannen..“.

Ich weise die Gruppe darauf hin, dass es völlig normal ist, wenn ihre Gedanken sich nach kurzer Zeit woanders hin begeben. Ich bitte sie, kurz festzustellen, wohin sie sich begeben haben und dabei möglichst gelassen und ohne zu werten vorzugehen. Dann holen sie ihren Geist zum augenblicklichen Fokus, dem Atmen und Entspannen zurück.

Nach etwa der Hälfte der Zeit bitte ich die Schüler, nun ihren Fokus zu ändern. Wir lassen das Entspannen in den Hintergrund treten und konzentrieren uns aufs Hören, verschmelzen mit unserem Hörsinn. Sie hören meine Stimme, Geräusche der Bewegungen von Mitschülern, das Scharren der Tische und Stühle im Raum über uns, Gespräche auf dem Gang, den Lieferwagen des Catering-Unternehmens auf dem Schulhof, Vogelzwitschern … und vermeiden dabei jede Wertung: „Da ist das Geräusch X … wir sitzen hier und hören …“

Nochmals bitte ich sie darum, ihre Gedanken gelassen zurückzuholen, wenn sie sich auf Wanderschaft begeben. Zum Ende gehe ich nochmals kurz zum Fokus Entspannen zurück und lasse die Klangschale die Übung beenden.

Die Wirkung dieser Übung beeindruckt mich immer wieder. Vorgestern,  an einem Freitag in der 7. Stunde (!) begann ich meinen Unterricht wieder auf diese Weise. Aus einer wuseligen, unkonzentrierten Teenie-Schar in verquatschter Vorwochenendstimmung wurde in den fünf Minuten eine deutlich entspanntere Gruppe, die die Ruhe im Raum sichtlich genoss und nun dazu bereit war, noch eine gute halbe Stunde konzentriert meinem Input zu Präpositionen und Ortsangaben im Spanischen zu folgen.

Für mich sind dies magische Momente im Beruf.

Übrigens basiert die Übung auf Inhalten von Modern Mindfulness, einem online-gestützten Programm, das Lehrkräften die Möglichkeit gibt, Achtsamkeitsimpulse auf einfache Weise in den Schulalltag einfließen zu lassen. Entwickelt wurde es am Center for Mindful Learning (Vermont / USA). Der Autor ist Soryu Forall, der „Erfinder“ von Mind the Music .

Derzeit existiert Modern Mindfulness nur in englischer Sprache. Eine deutsche Version ist geplant.

Pindo

„Es funktioniert!“ – über das achtsame Erledigen von Hausaufgaben

Vor einigen Tagen musste ich einen kranken Kollegen in einer mir fremden 10. Klasse vertreten. Eigentlich ist das eine unangenehme Aufgabe, da die Schüler meist nicht die Lust haben, sich auf eine inhaltliche Arbeit einzulassen und ich als unbekannter Lehrer nicht in der Position bin, eine solche einzufordern, ohne dabei selbst Stress zu erleben.

Diesmal war alles anders. Ich habe den Schülern von meiner Achtsamkeits-AG erzählt und sie eingeladen, eine der Techniken auszuprobieren. Die Aussicht, im Unterricht eigene Musik hören zu können, machte sie neugierig und brach – wieder einmal – das Eis. Ich erzählte kurz in drei Minuten etwas über den Sinn der Übung: über Präsenz, über Gedanken, die wir aus Vergangenheit oder Zukunft zurück in den Moment holen können und über die Folgen davon, das intensivere Erleben dessen, was wir gerade tun und das damit verbundene, nicht zu beschreibende Wohlgefühl. Wir absolvierten zwei Übungen. Nach der zweiten ließ ich die Klasse für einen Moment die Augen geschlossen zu halten und wies sie auf die friedvolle Stille hin, die uns –  31 Jugendliche und einen Lehrer – umhüllte. In diese Stille drang nach einer Minute die Pausenglocke vor, was mehrere Schüler zu einem spontanen, enttäuschten „Ooooooooh“ veranlasste…

Nachmittags war Mind the Music-AG und prompt tauchte Johanna, eine der Schülerinnen vom Morgen neu in der Gruppe auf. Sie machte die Übungen mit großer Teilnahme mit und hörte sich meine Erläuterungen sehr aufmerksam an. Ich schlug vor, wie sie die Technik des Gedankenzurückholens ganz einfach auf den Nachmittag, etwa auf den Moment des Erledigens von Hausaufgaben übertragen könnten:

„Ihr achtet auf euren Atem und verfolgt, wie er sich an der Bauchdecke bemerkbar macht. Beim Ausatmen entspannt ihr, beim Einatmen achtet ihr auf eure Körperhaltung. Dabei sendet ihr mit eurer inneren Stimme immer wieder das Signal ‚Ich sehe / ich lese‘ an euren Geist.  Sobald ihr bemerkt, dass eure Gedanken abgeschweift sind, was völlig normal ist, benennt ihr kurz, wo ihr seid („Facebook … meine Freundin X“) und kehrt mit einem neuerlichen ‚Ich sehe / ich lese‘ zurück zu dem, was ihr gemacht habt.“

Am nächsten Morgen in der Pause passte Johanna mich vor dem Lehrerzimmer ab. Ihre Augen leuchteten, sie lächelte und sagte: „Ich habe das gestern bei den Englischhausaufgaben ausprobiert. Es funktioniert!!! Darf ich nächste Woche wieder kommen?“

Pindo

Vermont – Lüneburg – Berlin – Der Weg entsteht beim Gehen…

Bei der Suche nach einem geeigneten Weg zur Achtsamkeit für meine Schüler stieß ich im Netz schnell auf die faszinierende Arbeit von Shinzen Young, Soryu Forall sowie auf das von ihnen begründete Center for Mindful Learning in Vermont / USA. In einer kurzen Email nach Vermont schilderte ich mein Anliegen, ein geeignetes Achtsamkeitstraining für Jugendliche an einer deutschen Schule etablieren zu wollen und schon wenige Tage später wies mir die Antwort den Weg, den ich nur noch zu beschreiten brauchte:

Ich erfuhr, dass Soryu Forall, der Initiator des Mind The Music-Programmes, im Sommer 2012 in Lüneburg zu Besuch sei, um sein Programm vorzustellen und mit deutschen Schülern zu arbeiten. Für alles Weitere sollte ich mich mit Sabine Heggemann, der Repräsentantin des CML in Deutschland in Kontakt setzen. Schon im ersten Telefonat reagierte Sabine Heggemann mit Begeisterung auf mein Interesse. Ich spürte sofort, dass ich eine Verbündete im Geiste getroffen hatte. Offensichtlich gab es also bereits eine Gruppe von Menschen, die ähnliche Ideen wie ich hatte, und nun erhielt ich die Möglichkeit, sie kennen zu lernen. Wie wunderbar!

Sabine erläuterte mir die Grundzüge von Mind the Music sowie den Ansatz der Basic Mindfulness von Shinzen Young, auf dem das Konzept aufbaute. Sie lud mich ein, Shinzens Ideen in einem Telefon-Konferenz-Kurs kennen zu lernen, den sie ab der kommenden Woche erstmals abhalten wollte. (Eine faszinierende Erfahrung, über die ich in einem späteren Beitrag schreiben werde.) Außerdem lud sie mich herzlich ein, im Juni nach Lüneburg zu kommen und Soryu bei der Arbeit mit Schülern zu begleiten. Sabine hatte Anfang des Schuljahres ein Pilotprojekt zur Einführung von Achtsamkeitselementen an der Integrierten Gesamtschule Lüneburg gestartet und Soryu wollte nun für drei Tage mit ihren Gruppen arbeiten. Die Aussicht begeisterte mich, ich hatte nur das Problem, das Soryus Anwesenheit in Lüneburg in den Zeitraum der letzten beiden Schultage vor den Sommerferien in Berlin fiel. Ich war Klassenlehrer und konnte mir kaum vorstellen, dass meine Schulleitung mit Begeisterung auf mein Ansinnen reagieren würde, während der letzten beiden Unterrichtstage auf Dienstreise gehen zu wollen. Dennoch rief ich bald darauf meinen Schulleiter an, erzählte ihm von meinem Vorhaben und der unglücklichen Terminkonstellation – und … stieß auf großes Interesse, Wohlwollen und eine Dienstbefreiung.

Se hace camino al andar.     Der Weg entsteht beim Gehen.

Pindo

AC/DC, David Bowie und ich … Achtsamkeit in der Pubertät?

Wenn ich meinen Schülern heute in ihre mehr oder weniger von Akne gezeichnete Gesichter blicke, denke ich oft an meine eigene Pubertät zurück. Im Alter von 13-18 Jahren fühlte ich mich wie ein Fähnchen im Wind, die Unsicherheit in Person, abhängig von den Moden, denen meine Freunde hinter her liefen, von ihren Meinungen und Werturteilen, ihrem Musikgeschmack. Puma oder Adidas? AC/DC, Bob Marley oder gar David Bowie? Entenschuhe und Kutte oder Popperlocken und Sasch-Hosen? Herr der Ringe toll finden ja oder nein? Jede dieser „hochbrisanten“ Entscheidungen schweißte mich an eine Gruppe und entfernte mich von einer anderen. Jahrelang befand ich mich im totalen Gefühlschaos, versuchte mich in der Quadratur des Kreises, dem Versuch es allen recht zu machen. Ich suchte die absolute Anerkennung von meinen Freunden und meiner festen Freundin,  wollte gleichzeitig aber die Wertschätzung meiner Eltern nicht verlieren. Manchmal hatte ich wochenlang ein Grummeln im Bauch und spürte einen Druck auf der Brust, der mir fast die Luft zum Atmen nahm. Meine hilflose Reaktion bestand darin, die inneren Stimmen zu ignorieren und die körperlichen Symptome weg zu drücken. Meine Gefühle machten mir Angst und ich versuchte sie rational zu bändigen – mit manchmal sehr unangenehmen Ergebnissen… Heute weiß ich, dass meine Intuition mir damals etwas vermitteln, mir vielleicht die Notwendigkeit aufzeigen wollte, eine für meine Entwicklung wichtige Entscheidung zu treffen. Damals jedoch stellte ich mich ihr gegenüber taub. Ich hatte ja nur eine vage Ahnung davon, was ich wollte, ja wer ich überhaupt war.   Kurz – ich war ein völlig verunsicherter und deshalb wohl ganz normaler, pubertierender Junge.
Und dann erhob sich in mir plötzlich die Frage:
Wie hätte ich meine Pubertät wohl erlebt, wenn ich damals Techniken wie die Sitzmeditation oder den Bodyscan beherrscht hätte? Wie hätte sich die Unsicherheit angefühlt, wenn ich mich ihr und den durch sie ausgelösten Gefühlen gestellt hätte, anstatt sie konsequent zu verdrängen?

Die sich einstellenden möglichen Antworten fühlten sich so spannend an, dass ich beschloss, ein Experiment zu wagen und Achtsamkeit meinen Schülern nahe zu bringen. Und ich machte mich auf die Suche nach dem geeigneten Weg.

Pindo