Schlagwort-Archive: Sinn

Gut und schlecht

Licht… Fäule … Leben … Verfall .. Gut .. Schlecht … Ein Blatt! Durchdrungen von Sonne! Auf dem Südgelände in Berlin!

In unübersichtlichen Zeiten finde ich Halt bei Eckhart Tolle, der in seinem Buch Eine neue Erde die folgende Passage formuliert. Es geht um die Tendenz des Menschen, immer werten zu müssen:

An irgendeinem Punkt ihres Lebens geht den meisten Menschen auf, dass es nicht nur Geburt, Wachstum, Erfolg, Gesundheit, Vergnügen und Gewinn gibt, sondern auch Verlust, Misserfolg, Alter, Verfall, Schmerz und Tod. Das alles wird üblicherweise als gut und schlecht, Ordnung und Unordnung bezeichnet. Der Sinn eines Menschenlebens wird normalerweise in dem gesehen, was zur Kategorie GUT gehört, aber das GUTE ist ständig von Verfall, Zusammenbruch und Chaos bedroht, von Bedeutungslosigkeit und vom SCHLECHTEN, wobei Erklärungen versagen und das Leben seinen Sinn verliert. Früher oder später bricht über jedermanns Leben das Chaos herein, egal wie viele Versicherungsverträge er hat. Es kann in Form von Verlust, Unfall, Krankheit, Behinderung, Alter und Tod über dich kommen. Doch das Chaos, dass über das Leben eines Menschen herein bricht, und der daraus folgende Verlust eines mental definierten Sinns können die Öffnung für eine höhere Ordnung bewirken.
„Die Weisheit dieser Welt ist Torheit bei Gott“ heißt es in der Bibel. Was ist unter der Weisheit dieser Welt zu verstehen? Die Denkprozesse sowie Bedeutungen, die ausschließlich durch das Denken definiert sind.
Das Denken isoliert Situationen oder Ereignisse und nennt sie gut oder schlecht, als hätten sie ein Eigenleben. Wenn man sich total auf das Denken verlässt, wird die Wirklichkeit fragmentiert. Diese Fragmentierung ist zwar eine Illusion, aber während man darin befangen ist, wird sie sehr real. Dabei ist das Universum ein unteilbares Ganzes, in dem alle Dinge wechselseitig miteinander verbunden sind und nichts für sich allein besteht.
Die innere Verbundenheit aller Dinge und Ereignisse bedeutet, dass es letzten Endes illusorisch ist, eine mentale Einteilung in GUT oder SCHLECHT vorzunehmen. Solche Einteilungen sind stets Beweis für eine eingeschränkte Perspektive und folglich nur zeitweilig und relativ wahr.
Das veranschaulicht die Geschichte vom Weisen, der in der Lotterie ein teures Auto gewonnen hat. Seine Familie und seine Freunde freuten sich für ihn und kamen, um ihm um mit ihm zu feiern. „Ist das nicht wunderbar?“, sagten sie. „Du bist ein Glückspilz!“ Der Mann lächelte und sagte: „Mag sein.“ Ein paar Wochen lang macht er es ihm Freude mit dem Auto herum zu fahren. Dann stieß eines Tages auf einer Kreuzung ein betrunkener Autofahrer mit ihm zusammen und er musste mit zahlreichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Seine Angehörigen und die Freunde besucht ihn dort und sagten: „Das war aber wirklich Pech!“Wieder lächelte der Mann und sagte: „Mag sein.“ Eines Nachts, während er noch im Krankenhaus lag, wurde sein Haus von einem Erdrutsch ins Meer gerissen. Am nächsten Morgen kam die Freunde und sagten: „Hast du ein Glück gehabt, dass du unterdessen hier im Krankenhaus warst!“ Wieder sagte er: „Mag sein.“

Das „Mag sein“ des Weisen steht für die Weigerung, etwas, das geschieht, zu bewerten. Statt es zu bewerten, akzeptiert er es und fügt sich dadurch bewusst in eine höhere Ordnung ein. Er weiß, dass mit dem Verstand meist nicht zu begreifen ist, welchen Stellenwert ein scheinbar zufälliges Ereignis im Geflecht des Ganzen einnimmt und welchen Sinn es hat. Aber Zufälle gibt es eben so wenig wie Dinge oder Ereignisse, die nur durch sich selbst und für sich allein existieren. Die Atome, aus denen der Körper besteht, bildeten einst das Innere von Sternen, und auch für die geringfügigsten Ereignisse gibt es praktisch unendlich viele Ursachen, die auf unbegreifliche Weise mit dem Ganzen verknüpft sind. Wenn man ein Ereignis bis zu seinen Ursachen zurückverfolgen wollte, müsste man bis zum Anbeginn der Schöpfung zurückgehen. Der Kosmos ist nämlich kein Chaos. Das Wort Kosmos selbst bedeutet Ordnung! Aber es ist keine Ordnung, die der Menschen geistig verstehen könnte, obwohl er manchmal einen flüchtigen Blick hinein tun darf.

Eckhart Tolle: Eine neue Erde, Arkana 2005, 224-6

Pindo